Erste Schritte fürs Bad Bevenser Geothermie-Projekt

Machbarkeit wird in zwei Phasen geprüft

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Bad Bevensen. Das Geothermie-Projekt in Bad Bevensen nimmt an Fahrt auf:

Während derzeit die Förderbank des Landes, die N-Bank in Hannover, und die Stadt Bad Bevensen gemeinsam klären, in welcher Höhe es Zuschüsse für eine Machbarkeitsstudie für dieses Vorhaben geben könnte, wird schon an dem Fahrplan für eben diese Studie gefeilt: 15 Monate wird es voraussichtlich dauern, bis sie steht.

Aufgeteilt wird sie in zwei Phasen: Zunächst müssen die Daten aus einer Vorstudie, die bereits vor etwa zwei Jahren erstellt wurde, verifiziert werden. Es wird seismische Messungen geben, kündigte Professor Dr. Dieter Michalzik, Diplom-Geologe und Geschäftsführer der GeoDienste GmbH in Garbsen, gestern beim Pressetermin im Bevenser Rathaus mit. Außerdem werden geologische Daten gekauft werden müssen, über die große Konzerne wie ExxonMobil exklusiv verfügen.

In einem zweiten Schritt würde dann die Bohrung geplant werden, würden Bohrstärken festgelegt, die Wirtschaftlichkeit berechnet oder die Standfestigkeit des Bohrplatzes überprüft werden. Auch über eine so genannte Fündigkeitsversicherung müsse man nachdenken, so Michalzik. Denn entgegen aller Erwartungen bestehe ein Restrisiko, dass man nicht auf das ersehnte Solewasser stoße – die Versicherung würde dann für den Verlust einspringen.

Durch das Geothermie-Projekt versprechen sich die Bevenser vor allem eines: eine finanzielle Entlastung. Denn allein im touristischen Bereich fährt die Kurstadt jährlich ein Minus zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Euro ein – ein Großteil des Geldes muss für Energiekosten aufgewendet werden. Die Kommunalaufsicht sitzt den Bevensern außerdem mehr denn je im Nacken – durch den Zukunftsvertrag mit dem Land Niedersachsen nämlich hat sie sich, wie berichtet, zu einem eisernen Sparkurs verpflichtet. „Das Geothermie-Projekt ist deshalb eine Investition in die Zukunft“, betonen Bürgermeister Martin Feller (Grüne) und Stadtdirektor Hans-Jürgen Kammer.

Außerdem betonen beide, dass es bei dem Projekt nicht um die Produktion von Strom geht, sondern um die Gewinnung von Wärme. An den Bohrlöchern – wo auch immer sie dann entstehen – würde also ein kleines Gebäude in der Größe von drei Garagen entstehen. Bei den Abnehmern wird der heißen Sole dann über so genannte Wärmetauscher die Wärme entzogen und diese in die Heizungssysteme geleitet.

Theoretisch wäre auch das Anschließen von Privathaushalten an die Geothermie-Energie möglich, sagt Professor Michalzik. „Wir hätten jedenfalls noch Energie übrig, für Schulen zum Beispiel oder andere große Gebäude“, sagt er, „aber dafür sind Leitungen nötig, und die sind teuer.“ Zukunftsmusik also.

Neben den Einsparungen im Energiebereich versprechen sich die Bevenser von dem Vorhaben auch, der Kurstadt ein ökologisches Image geben zu können und dieses zu vermarkten. „Das ist die Technik der Zukunft“, sagt Bürgermeister Feller und Stadtdirektor Kammer ergänzt: „Damit wären wir über Jahrzehnte auf der richtigen Ebene.“ Und welche Entwicklung ein Ort nehmen kann, sei am Beispiel Erding in Bayern offenbar geworden: „Die sind wirtschaftlich förmlich explodiert“, weiß Kammer.

Von Ines Bräutigam

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