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Ludwin Schneider ist Bevensens Nachtwächter

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Ludwin Schneider als Nachtwächter mit Laterne, Horn und Hellebarde.
Mit Laterne, Horn und Hellebarde geht Ludwin Schneider (66) auf Tour durch Bad Bevensen. © Sternitzke, Gerhard

Vorführeffekt: Keinen Ton kann Ludwin Schneider dem Horn entlocken. Die Luft zischt durch die Windungen des Instruments, ohne das Messing zum Schwingen zu bringen. Dabei vervollständigt das Accessoire, das er im Internet ersteigert hat, in perfekter Weise seine Nachtwächter-Ausstattung, mit der er ab dem 29. Dezember Besucher durch die Bevenser Altstadt führen will.

Bad Bevensen – Weiter schwarzer Umhang, Laterne und die Hellebarde in der Faust, so steht Schneider bereit, um im Flecken Bevensen für Ordnung zu sorgen, Diebe zu entdecken und Feuer zu melden. „Es ist ein angenehmes Gefühl, und du hast die Chance, in eine andere Rolle zu schlüpfen“, sagt der 66-Jährige mit dem kecken Kinnbart.

Informationen zur Geschichte - wohl dosiert und unterhaltsam präsentiert

In seiner Heimat in Bad Münster am Stein war er Mitglied im Karnevalsverein, sang und tanzte zu Fastnacht im Männerballett. So wird der Bevenser Nachtwächter nachsichtig mit seinen Besuchern sein und die Informationen zur Geschichte wohl dosiert und unterhaltsam präsentieren.

Mit seinem Pfälzer Dialekt wird er im Bäckergang erzählen, wie in einem Haus Flachs in Brand geriet, der zu dicht am Herd gelagert wurde, wie das Feuer in Windeseile um sich griff und viele Gebäude im Flecken in Asche legte. Als Konsequenz aus dem Unglück wurden die breiten Straßen angelegt.

Oder er erinnert an den Bevenser Pastor und Komponisten Justus Wilhelm Lyra. „Der hat erst mit 49 Jahren geheiratet, weil er es sich vorher nicht leisten konnte“, weiß Schneider. Oder er zeigt den Teilnehmern die Geschütze, die der Kaiser für ein Kriegerdenkmal stiftete.

Zur Vorbereitung auf seine neue Aufgabe hat Schneider sich erst mal schlau gelesen. „Die Nachtwächter hatten damals den Ruf des unehrlichen Berufs, gleich mit dem Abdecker und dem Henker“, erklärt er und nimmt’s mit Humor.

Pfälzer fühlt sich in Bad Bevensen pudelwohl

Bei den Führungen wird der Nachtwächter wohl auch etwas von seiner Zufriedenheit mit dem Bad Bevensen von heute weitergeben. „Es lohnt sich hier zu wohnen“, sagt Schneider mit Überzeugung. Er weiß das Angebot der Kurstadt, aber auch den Bahnanschluss zu schätzen. Den Ausschlag für den Umzug in den Norden gab ein Heideurlaub vor fünf Jahren. Bei einem Tagesausflug nach Bad Bevensen fanden Schneider und seine Frau Gefallen an der Stadt. Vor drei Jahren zogen sie um. Mit der neuen Rolle – zuvor hat er bereits Radtouren angeleitet – wird er noch ein Stückchen mehr heimisch an der Ilmenau.

Das Horn braucht der Nachtwächter übrigens, um den Bevensern und ihren Gästen die Uhrzeit anzusagen. Den richtigen Mundansatz am Horn kann Schneider bis dahin noch üben.

• Die ersten historischen Rundgänge mit dem Nachtwächter finden am Donnerstag und Freitag, 29. und 30. Dezember, jeweils um 19 Uhr statt. Los geht es am Kurhaus. Im Januar bietet Schneider den Termin jeden Freitag um 19 Uhr an, anschließend jedem zweiten Freitag im Monat, und zwar im Februar und März sowie von Oktober bis Dezember um 19 Uhr, von April bis September um 21 Uhr.

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