Gesine Mörtl will, dass betagte Dame Schwimmern zusehen kann

Leserin schenkt Eintritt

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Brigitte Jaekel muss seit dem Geschäftsführerwechsel in der Therme Eintritt für ihre schwerbehinderte Mutter zahlen.

stk Bad Bevensen. Der Bericht über den Eintritt für eine 93-jährige Dame in die Jod-Sole-Therme Bad Bevensen hat Konsequenzen: Nicht von Seiten der Geschäftsführung, die beharrt, dass sie für die Rollstuhlfahrerin, die ihrer Tochter nur vom Beckenrand aus zusieht, keine Ausnahme machen kann.

Sondern von AZ-Leserin Dr. Gesine Mörtl, die nicht verstehen will, dass die Therme nicht mehr Kulanz zeigt. Sie hat ihre eigene Form des Protests gefunden: Sie hat Brigitte Jaekel einen Gutschein für den nächsten Thermen-Besuch spendiert. „Vielleicht finden sich weitere AZ-Leser, die unserem Beispiel folgen mögen?“

Bislang hatte Brigitte Jaekel aus Müden an der Oertze eine Ausnahmegenehmigung für ihre schwerbehinderte Mutter Ingeborg Jaekel. Nach dem Wechsel der Geschäftsführung sollte sie zahlen. Für die Therme sei nicht unterscheidbar, ob die alte Dame Angebote für Behinderte wie den Badelift nutze oder draußen bleibe, hatte Geschäftsführerin Sabine Neumann-Heinen argumentiert. Und daran erinnert, dass letztlich alle Badegäste für Ausnahmen mitzahlen müssten. Zudem profitiere sie vom vergünstigten Eintritt für Schwerbehinderte und Begleitpersonen, statt 10 Euro jeweils 7,75 Euro. Manche Thermen geben der Begleitperson von Schwerbehinderten freien Eintritt. „Menschlichkeit können Sie vergessen. Das ist reines Gewinndenken“, kritisiert Brigitte Jaekel.

Das ärgert auch die Spenderin. „Ich finde die Verhältnismäßigkeit nicht gewahrt“, sagt Dr. Gesine Mörtl, die mit ihrem Mann vor einem Jahr wegen der Therme in den Kurort gezogen ist. Immerhin sei die Besucherin hoch betagt: „Es sind vielleicht nur noch wenige Male, dass sie vom Beckenrand aus zuschaut.“ Auch wenn die Therme ein Wirtschaftsunternehmen sei, müsse sie in Zeiten der Inklusion gegenüber Schwerbehinderten Kulanz zeigen: „Auch diese Menschen sollen teilhaben“, findet die 66-Jährige. Das hat sie auch Geschäftsführerin Sabine Neumann-Heinen geschrieben.

Von Gerhard Sternitzke

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