Lehrlinge sind Mangelware

Schon sehr versiert an Pötten und Pannen: Lino Hoffmann lernt im Bad Bevenser Hotel Fährhaus den Beruf des Kochs.

Bad Bevensen - Von Ines Bräutigam. Die haben jeden Tag mit neuen Menschen zu tun, sitzen nicht nur am Schreibtisch, sondern sind in vielen Bereichen im Einsatz, und nach ihrem Abschluss steht ihnen im wahrsten Sinne des Wortes die Welt offen. Denn Hotel- und Restaurantfachkräfte sowie Köche, die in deutschen Betrieben ausgebildet wurden, sind im Ausland sehr begehrt. Doch das hiesige Hotel- und Gaststättengewerbe hat zurzeit große Probleme, Nachwuchs zu bekommen. Das beklagen auch die Chefs der vier Vier-Sterne-Hotels in Bad Bevensen (Fährhaus, Kieferneck, Ascona und Zur Amtsheide), die sich neuerdings regelmäßig untereinander austauschen.

Einerseits gibt es zu wenige Bewerbungen, andererseits immer mehr solche, die indiskutabel sind. „Wenn da jemand als Hobby ‚Ausschlafen‘ schreibt, gibt einem das schon zu denken“, sagt Patricia Holm, Direktorin des Quality-Hotels Kieferneck. Auch Henning Förster, Geschäftsführer im Ringhotel Fährhaus, weiß ein Lied von solchen und anderen Situationen zu singen. „Mein kürzestes Vorstellungsgespräch dauerte fünf Sekunden“, sagt er und schildert einen jungen Mann, der sich mit hängender Hose und flapsiger Miene in den Sessel flätzte. „Den habe ich sofort wieder nach Hause geschickt“, sagt Förster. Auch zwei unentschuldigte Fehltage im Zeugnis sind für ihn ein „Tot-Kriterium“, vernünftige Zensuren in Deutsch, Englisch und Mathe dagegen ein Muss.

„Es kommt aber gar nicht unbedingt auf super Noten an“, sagen Förster und Holm, „die Bewerber sollten sich in der Rolle des Gastgebers wohlfühlen.“ Wer menschenscheu ist und sich am liebsten beim Gläserpolieren versteckt, ist fehl am Platz. „Wenn man in diesem Job glücklich werden will, muss man offen sein“, empfiehlt der Hotel-Chef, der selbst eine Koch-Lehre absolviert hat und anschließend noch den Abschluss zum Hotelfachmann drauf sattelte.

„Die Bewerber kommen hier oft mit ganz konkreten Vorstellungen zu ihrem Privatleben an – da ist die Clique, da wird sonnabends ausgegangen und sonntags ausgeschlafen“, weiß Henning Förster. Diese Erwartungshaltung kollidiert dann nicht selten mit der Realität: Ein Arbeitstag in Hotel und Gastronomie dauert meist mehr als acht Stunden, Überstunden sind an der Tagesordnung. Auch am Wochenende, auch spät abends.

Die positiven Aspekte überwiegen aber, meinen Patricia Holm und Henning Förster. Und wer nach drei Jahren seine Ausbildung abschließt, bleibt in der Regel auch in diesem Job. „Der Beruf wird heute unterschätzt“, stellt Förster fest, „er ist viel besser als sein Ruf.“

Der Hotelier vermutet hinter dem Problem ein grundsätzliches, gesellschaftliches Phänomen. Die Jugendlichen würden zu Hause nicht ausreichend auf den Beruf vorbereitet werden. Das fängt mit fehlender Orientierungshilfe durch die Eltern an und hört damit auf, dass niemand den jungen Leuten konservativ-höfliche Umgangsformen mit auf den Weg gibt. „Ein ‚Lächel mal‘ oder ‚Guck mich beim Reden an‘ wird da kaum noch eingefordert“, meint Henning Förster.

Weil die Bewerbungen so rar sind, müssen die Hoteliers inzwischen ausgebildete Kräfte einstellen anstatt junge Leute auszubilden. Ausbildungsbeginn ist der 1. August. „Wir hätten zwar gern ein halbes Jahr vorher die Bewerbungen“, sagt Patricia Holm, aber man nehme auch kurzfristige Bewerbungen entgegen – gern persönlich.

Viele würden sich gar nicht erst bewerben, weil sie Hemmungen hätten, vermutet Henning Förster. Das sei aber überhaupt nicht nötig. „Es ist zwar ein konservatives Erscheinungsbild gefragt, geputzte Schuhe und ein ausgestelltes Handy sollten schon sein“, sagt er. Aber eigentlich kommt es auf die Grundhaltung an. „Man muss in diesem Beruf Idealist sein“, stimmen Holm und Förster überein.

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