Laute Experimente

Es rumst und kracht beim Auftritt des Comedians Konrad Stöckel im Kursaal

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Eisherstellung nach Stöckel-Art: Akkuschrauber und flüssiger Stickstoff. 180 Zuschauer waren gekommen, um den Comedian und seine Experimente zu erleben.

Bad Bevensen – Das war nichts für Kultur-Liebhaber. Im Kursaal in Bad Bevensen wurde es zum ersten Advent rustikal. Denn Konrad Stöckel war zu Gast, ein Comedian, der sich auf physikalische und chemische Experimente versteht und sein Publikum – gut 180 Zuschauer waren gekommen – mitriss. 

Viele Kinder waren unter den Gästen, denen er gleich zu Beginn seiner Show zurief: „Nicht nachmachen!“.

Wie wahr. Denn Stöckel, der gern im Fernsehen auftritt und auch in Bad Bevensen seine professorale Strubbelfrisur und einen weißen Kittel trug, hatte gleich zwei Feuerlöscher mitgebracht. Und eine feuerfeste Kabine, in der es bei einem Versuch erst noch sanft loderte, dann die Flamme heiß und hoch emporschoss, als Stöckel die Kabine sanft drehte, um Wind zu simulieren. So fache der Wind die Flammen etwa bei den verheerenden Waldbränden im Amazonas-Regenwald an, vermittelte der 41-jährige Hamburger seinem Publikum.

Da war er in der Zeit seines Programms schon weit fortgeschritten. Was es nicht alles zu bestaunen gab: Da erklärte er Zaubertricks, etwa wie ein Ballon im Mund verschwindet oder ein zerrissenes Tuch plötzlich weiter intakt ist. Er bat Kinder zum Assistieren auf die Bühne, die begeistert einwilligten. Und das lag vor allem daran, dass Stöckel mit vollem Einsatz und mit einem nicht enden wollenden Wortschwall das Motto seiner Show in die Tat umsetzte: „Wenn’s stinkt und kracht, ist’s Wissenschaft!“

So blitzte und rumste es im Kursaal. Rauch und Nebel wallten. Und Stöckel hatte reichlich Feuer dabei, das er in den verschiedensten Experimenten einsetzte. Er löschte mit den lauten Tönen aus dem Lautsprecher, auf einer E-Gitarre gespielt, eine Kerzenflamme; widmete überhaupt dem Schall und seiner Wirkung auf Bierflaschen ein paar Minuten, brachte es zu einer Staubexplosion, erläuterte, warum sich der Duschvorhang bei unterschiedlichen Luftdrücken wie magisch auf den Badewannen-Nutzer zubewegt.

„Stimmung“, rief Stöckel bei seinen rasanten Darbietungen ein ums andere Mal, warf Konfetti – und schoss mit einer „Kanone“, einem Abflussrohr, bei aufgepumpten 8 Bar ein T-Shirt in die Menge.

Höhepunkte seines Programms waren die Experimente mit flüssigem Stickstoff: Aus Sahne, Kirschen, Zucker und Stickstoff mixte er mit einem Akkuschrauber Eis, hatte Waffeln dabei – und so standen die Kinder in der Pause Schlange, davon zu probieren. „Das ist schon molekulare Küche“, rief Stöckel, verschwand in die Pause und zeigte danach am Beispiel von Schokolade und „Bifi“-Würstchen, wie viel Energie in unseren Lebensmitteln steckt.

Mit den entzündeten Würstchen gelang es ihm bei ordentlich Sauerstoffzufuhr, ein Loch in ein Metallstück zu schweißen, was begeistert beklatscht wurde. Und schließlich ließ der Comedian es gewaltig krachen. Er füllte eine Plastikflasche mit dem Stickstoff, verschloss sie – und versenkte sie in einer großen Metalltonne.

Zwei, drei Minuten später rumste es, als der sich ausdehnende Stickstoff die Flasche sprengte. So verabschiedete sich Stöckel auch mit dem Stickstoff: Ein Eimer heißes Wasser auf den heruntergekühlten Stickstoff in der Tonne – und eine große Wolke hüllte die Bühne in Nebel. Stöckel trug dabei erneut eine Schutzbrille – besser ist das.

VON CHRISTIAN HOLZGREVE

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