Über 1.100 Jungvögel beringt

Landkreis Uelzen: Rekordjahr bei Schleiereulen-Brut

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Waldemar Golnik zeigt den Kindern der Himberger Grundschule eine junge Schleiereule. Dieses Jahr hat der Almstorfer schon über 1100 Jungtiere beringt.

Kettelstorf – Ohne viele Umstände greift Waldemar Golnik beherzt zu und die jungen Schleiereulen landen im alten Kartoffelsack. Gespannt schauen die Schüler der Grundschule Himbergen dem Almstorfer dabei zu, wie er die sechs Jungvögel nach unten trägt.

Angst vor der Mutter brauche man jetzt nicht haben, erklärt er in der Scheune des Kettelstorfers Wilhelm Ostermann. „Die Mutter schläft jetzt irgendwo in der Scheune. “.

In Kettelstorf auf dem Hof der Ostermanns ist Golnik dieses Jahr bereits das zweite Mal. Über 1.100 junge Schleiereulen hat er dieses Jahr beringt. So viele seien es noch nie gewesen, der bisherige Rekord liege bei 570 im Jahr 2007. Allein in Masendorf seien 43 Schleiereulen flügge geworden.

Der Grund: „Wir haben so viele Mäuse, dass die Schleiereulen zweimal brüten“, erklärt der Vogelexperte von der NABU-Kreisgruppe Uelzen. Dieses Jahr habe er auch schon Bruten mit zwölf Jungvögeln bei den Schleiereulen gesehen. Das Futter in Form der Mäuse stapele sich in den Nistkästen. So seien in einem Nistkasten in Rieste 40 Mäuse als Futter für sieben kleine Schleiereulen eingelagert gewesen. Grund für die vielen Mäuse seien die milden Winter gewesen.

Möglich machen diese Erfolge laut Golnik auch die Landwirte, die Nistkästen auf ihren Höfen aufstellen. „Inzwischen haben wir im gesamten Landkreis ein Netz“, sagt Golnik, der seit mehr als 30 Jahren ehrenamtlich in Sachen Schleiereulen-Schutz unterwegs ist. Nachdem die Schleiereule noch in den 60er und 70er Jahren auf der Roten Liste stand und vom Aussterben bedroht war, sei inzwischen fast überall im Landkreis die Schleiereule wieder zu finden.

Doch nicht nur bei den Schleiereulen hat sich das große Nahrungsangebot bemerkbar gemacht, sagt Golnik. „Profitiert haben alle, die Mäuse als Beute haben – vom Fuchs bis zum Turmfalken.“ So hat es auch gute Bruterfolge bei anderen Eulenarten gegeben. Und auch Greifvögel wie Bussarde, Rohrweihe, Rotmilan. Turmfalke und Wiesenweihe haben profitiert. So brüten auch häufig Turmfalken in den Brutkästen der Schleiereule. Insgesamt 450 junge Turmfalken habe er beringt, berichtet der Almstorfer.

Dass sich der Bruterfolg im nächsten Jahr wiederholt, glaubt Golnik aber nicht. „Es gibt alle drei Jahre ein Hoch bei der Mäusepopulation, dann bricht der Bestand aufgrund von Krankheiten ein und dann finden auch die Eulen weniger Nahrung“, erklärt er.

VON LARS LOHMANN

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