Kamerunschaf bringt in der Nacht von Silvester auf Neujahr Zwillinge auf die Welt

Doppelter Grund zur Freude: Lämmer nach Wolfsattacke

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Alma (10) freut sich über die Neujahrslämmer, die auf dem Schweizerhof bei Bad Bevensen geboren wurden. Die Mutter, ein Kamerunschaf, hatte nur knapp einen Wolfsangriff überlebt.

Bad Bevensen/Bienenbüttel. Es gibt sie noch, die positiven Geschichten. Diese beginnt mit einem Gemetzel: Zwei tote Schafe liegen im September auf eine Weide in Hohnstorf, und es ist ausgerechnet die des grünen Landtagsabgeordneten Heiner Scholing.

Ein weiteres Muttertier ist schwer verletzt. Halter Hans-Ludwig Greve, ein Freund Scholings aus Bad Bevensen, pflegt das Tier, ein Kamerunschaf. Jetzt nimmt die Geschichte ein gutes Ende: In der Nacht von Silvester auf Neujahr hat das Schaf Zwillinge zur Welt gebracht.

Glücklich hält Greves zehnjährige Tochter Alma die beiden Lämmer – das eine braun, das andere schwarz – in den Armen. „Ich freue mich, dass ich das Mutterschaf damals aufgepäppelt habe“, meint Züchter Greve. Der Wolf hatte im September eine klaffende Wunde in den Hinterlauf des Tieres gerissen. Der Tierarzt gab täglich Antibiotika.

Scholing hatte die Öffentlichkeit im September selbst über den Vorfall informiert, auch darauf hingewiesen, dass die Weide nach den Regeln des Umweltministeriums nicht wolfssicher eingezäunt war. Dass Züchter Greve seine Herde nach Hause habe verlegen können, sei ein Glücksfall, sagt er heute. „Denn wenn der Wolf einmal erfolgreich war, dann kommt er immer wieder.“

Seitdem es mehrere schwere Wolfsangriffe gab – zuletzt wurden im Dezember in Brockhimbergen 20 Stücke Damwild getötet – sucht der Abgeordnete das Gespräch mit den Züchtern. „Man braucht viel schnellere Hilfen“, ist er überzeugt. Beispielsweise für den Eimker Schäfer Gerd Jahnke, dessen Herde vor Weihnachten mehrfach trotz wolfssicherer Einzäunung und Herdenschutzesel heimgesucht wurde.

Ministerpräsident Stephan Weil hatte im AZ-Interview angekündigt, dass sich das Land Niedersachsen für die Möglichkeit, den Wolfsbestand zu regulieren, einsetzen werde. Dazu werde es eine Initiative der rot-grünen Landesregierung im Bundesrat geben, erwartet Scholing. „Bislang sind uns durch die Gesetzeslage über Vergraulen hinaus die Hände gebunden.“ Nach der Berner Konvention, einem Artenschutzabkommen, ist der Wolf streng geschützt.

Von Gerhard Sternitzke

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