Landrat und Verwaltungschefs wenden sich an Wirtschaftsminister

Kurorte fordern Geld vom Land

Mit glücklichen Touristen wirbt die Bad Bevensen Marketing für einen Aufenthalt in der Kurstadt. Weil der Tourismussektor schwer unter den Corona-Folgen leidet, soll das Land Betriebe und Kurorte unterstützen.
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Mit glücklichen Touristen wirbt die Bad Bevensen Marketing für einen Aufenthalt in der Kurstadt. Weil der Tourismussektor schwer unter den Corona-Folgen leidet, soll das Land Betriebe und Kurorte unterstützen.

Bad Bevensen/Landkreis – Sechs Millionen Euro – mit dieser Summe unterstützt die niedersächsische Landesregierung die beiden Staatsbäder Nenndorf und Pyrmont in der Corona-Krise. Die anderen Heil- und Kurorte dagegen sind zunächst leer ausgegangen.

Martin FellerSamtgemeindebürgermeister

Landrat Dr. Heiko Blume, Bevensens Stadtdirektor Martin Feller und Bodenteichs Gemeindedirektor Michael Müller haben sich deshalb in einem Brief an Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) gewandt, um auf die Situation der beiden Bäder im Uelzener Kreisgebiet hinzuweisen. Am Beispiel Bad Bevensen stellen die drei die dramatischen finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise dar. Allein in den Monaten März und April sei mit einem Ausfall der touristischen Wertschöpfung von 12,4 Millionen Euro zu rechnen, macht Martin Feller auf AZ-Nachfrage deutlich. „Wir haben ältere Gäste, die oft Vorerkrankungen haben, Risikopatienten sind“, erklärt der Stadtdirektor. „Die sagen: Wir machen dieses Jahr keinen Urlaub.“

Für die Kurstadt bedeutet das: Gewerbesteuern, Tourismusbeiträge und Kurtaxe brechen ein (AZ berichtete). Um den Unternehmen entgegenzukommen, storniert die Stadt die Tourismusbeiträge für maximal drei Jahre. Die Kämmerei rechnet mit einem Loch in der Kasse von 4,3 Millionen Euro. Derzeit gilt eine von Feller verhängte Haushaltssperre. Das heißt, wichtige Vorhaben liegen auf Eis. Das ganze Ausmaß wird vermutlich erst bis Mitte nächsten Jahres deutlich. „Die Zuschüsse zur Therme werden sich verdoppeln“, warnt Feller.

In dem Brief fordern der Landrat, Müller und Feller deshalb Unterstützung vom Land. „Wir brauchen dringend ein Förderprogramm für das Hotel- und Gaststättengewerbe und die Heil- und Kurorte“, fasst Feller die Forderung zusammen.

Mittlerweile liegt auch die Antwort aus dem niedersächsischen Wirtschaftsministerium vor. Minister Althusmann verweist laut Feller auf ein geplantes Sonderprogramm für Tourismus und Gastronomie im Land mit einem Volumen von 120 Millionen Euro, das Teil eines Nachtragshaushalts ist.

„Es ist gut, dass das Land erkannt hat, dass es die Tourismusregionen unterstützen muss“, meint der Bevenser Stadtdirektor. „Wir müssen sehen, was diese Programme wirklich ergeben.“

Feller selbst plant, ein eigenes städtisches Konjunkturprogramm für die leidende Tourismus- und Gastrobranche in Bad Bevensen aufzulegen. Neben der dreijährigen Stundung der Tourismusbeiträge will der Stadtdirektor Unternehmen auch mit Bürgschaften und Zuschüssen unterstützen. VON GERHARD STERNITZKE

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