Bad Bevenser Stadtrat stimmt für Erhöhung der Übernachtungs-Pauschale für Gäste

Kurbeitrag rauf – trotz Baustellen

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Die Kurbahn Thermelinchen ist ein Service, den die Gäste Bad Bevensens über den Kurbeitrag nutzen können.

Bad Bevensen. Den Kurbeitrag erhöhen und parallel dazu das Kurhaus abreißen – angesichts dieser Kombination legten sich in den voll besetzten Zuschauerreihen bei der vergangenen Stadtratssitzung etliche Stirnen in Falten. Mit dem 1. Januar 2014 steigt die Kurtaxe, die jeder Gast Bad Bevensens pro Übernachtung zu zahlen hat.

Und zwar im ersten Schritt um 20 Cent und im zweiten Schritt – vom 1. Januar 2015 an – erneut um zehn Cent. Das hat der Stadtrat bei einer Gegenstimme beschlossen.

Ein Beispiel: Gäste, die im April 2014 im Gebiet der Kurzone I Urlaub machen, zahlen pro Nacht 2,90 Euro statt wie bisher 2,70 Euro. Kommen die Touristen 2015 wieder, zahlen sie zur identischen Jahreszeit und im gleichen Gebiet der Kurstadt drei Euro Kurbeitrag pro Übernachtung. Die Tagespauschalen sind nach Jahreszeit und Übernachtungsort gestaffelt. „Die Erhöhung ist vertretbar angesichts der gebotenen Leistungen“, betonte Kämmerer Wilhelm Oelstorf – eine Ansicht, die zwar die Mehrheit des Rates teilte, aber zu kritischen Anmerkungen von Seiten der Gastgeber im Zuhörerraum führte. Denn sie sahen sich in Erklärungsnot: Wie dem Gast vermitteln, dass die Kurbeiträge ausgerechnet dann steigen, wenn die Stadt mit dem Abriss des Kurhauses beginnen will? Diese Arbeiten sollen nämlich im Frühjahr 2014 beginnen – vorausgesetzt die Fördergelder für den Neubau werden bewilligt und der enge Zeitplan der Stadt eingehalten (die AZ berichtete).

Schwer wiegendes Argument für die Politik: der Zukunftsvertrag, den die Stadt Bad Bevensen im Zuge der Fusion der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf unterzeichnet hat. Darin hat sich die Stadt verpflichtet, auch im Bereich Tourismus zu sparen sowie dort weitere Einnahmen zu generieren. Im Gegenzug profitiert Bad Bevensen von der Entschuldungshilfe des Landes Niedersachsen, die der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf gewährt wird.

Witta Albert-Ernst (SPD) bezeichnete die Anhebung des Kurbeitrags im Namen der Mehrheitsgruppe (SPD/WBB/Grüne) als „zwangsläufiges“ und „notwendiges“ Vorgehen, das wegen der positiven Entwicklung Bad Bevensens gerechtfertigt sei. Für Irritation sorgte hingegen ihre Argumentation für den Zeitpunkt der Anhebung: Man habe bewusst von einer Erhöhung bereits zum Jahr 2013 abgesehen, weil die Einrichtung einer Baustelle an zentraler Stelle nicht mit einer Anhebung vereinbar wäre. Fakt ist jedoch: Zwar laufen derzeit noch Bauarbeiten im Kurpark, 2014 soll aber mit dem Abriss des Kurhauses begonnen werden. Gerechnet wird mit einer mehr als einjährigen Bauphase für das neue Kurhaus (die AZ berichtete).

Rückblick: In den vergangenen Jahren wurde die Bad Bevenser Fußgängerzone barrierefrei umgestaltet, die Jod-Sole-Therme umfangreich modernisiert und in diesem Jahr soll das neue Gesicht des Kurparks in vollem Glanz erstrahlen – die Pergola samt Uferlandschaft sowie das neue Licht- und Wegekonzept sind fertiggestellt. Die abschließenden Arbeiten an der Sonnenfalle sowie die Erdarbeiten werden umgesetzt, sobald es das Wetter zulässt. Derzeit visiert das Bauamt, wie berichtet, Ende Mai als Ziel an. „Es ist richtig, mit den Bauarbeiten sind Unannehmlichkeiten verbunden, aber man kann sagen, dass hier in Bad Bevensen einer der modernsten Kurorte Norddeutschlands entsteht“, betonte Bürgermeister Martin Feller. „Wir haben Bevensen durchsaniert – nur das Kurhaus noch nicht.“

Zum Hintergrund: Derzeit ist der Kurbetrieb für Stadt und Kreis ein Minusgeschäft. Die Leistungen, die den Kurgästen im Rahmen der Bad-Bevensen-Card gewährt werden – diese wird bei Zahlung des Kurbeitrags ausgestellt – können nicht allein über die Kurtaxe finanziert werden. Kurgäste nutzen unter anderem die Kurbahn und das Rosenbad über die Bevensen Card kostenfrei. „Die Einnahmen von 1,1 Millionen Euro reichen nicht, um die Kosten abzudecken“, erklärte Kämmerer Wilhelm Oelstorf. Laut Haushaltsplan stehen den 1,1 Millionen Euro Einnahmen durch den Kurbeitrag und einem Plus von 270 000 Euro durch die Fremdenverkehrsbeiträge Ausgaben in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro gegenüber. Die Gesellschafter der Bad Bevenser Kurgesellschaft – die Stadt Bad Bevensen und der Kreis Uelzen – müssten derzeit die Differenz aus ihren Kassen zahlen. Oelstorf: „Die Anhebung reicht noch nicht einmal, um das Loch zu stopfen.“

Von Wiebke Brütt

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