„Überteuert und unnötig“

FDP kritisiert Kosten für neuen Ratssaal im Bevenser Rathaus

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750.000 Euro für den neuen Ratssaal in der alten Pausenhalle der Fritz-Reuter-Schule: Dafür könnte der Samtgemeinderat den großen Saal im Kurhaus 375 Jahre lang nutzen, rechnet Ratsherr Léonard Hyfing vor. 

Bad Bevensen – Die Kommunalpolitiker sind angetan. Der Raum ist schlicht, aber elegant. Nach Abschluss einer Bauausschuss-Sitzung erhalten die Ratsleute einen ersten Einblick in den neuen Ratssaal der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf.

750.000 Euro hat der Umbau der ehemaligen Pausenhalle der Fritz-Reuter-Schule gekostet, und genau an dieser Summe entzündet sich jetzt die Kritik.

Léonard Hyfing, Ratsherr

Das ist eine Null zu viel, vermutet ein Leser, aber der Betrag ist korrekt. „Überteuert und unnötig“, so lautet das Urteil der FDP. Für die Nutzung des großen Saals im Bevenser Kurhaus zahle die Samtgemeinde 400 Euro pro Sitzung. „Also 1.600 Euro im Jahr, falls alle Samtgemeinderatssitzungen im Kurhaus stattfinden würden. Wir könnten also das Kurhaus bei gleicher Investition für 375 Jahre nutzen“, rechnet Hyfing vor. Einen eigenen Ratssaal besitze die Samtgemeinde im Ebstorfer Rathaus, und auch in den Mensen, die zur Umsetzung der Ganztagsschule gebaut werden sollen, könne der Rat tagen.

Auch die FDP sieht die „wunderbaren“ technischen Möglichkeiten des neuen Ratssaal, aber der Bedarf sei nun einmal nicht da, ist Hyfing überzeugt. „Es handelt sich um ein reines Prestigeprojekt ohne Rücksicht auf den Bedarf.“

Martin Feller, Samtgemeindebürgermeister

„Die Kritik ist berechtigt. Es ist sehr teuer“, reagiert Samtgemeindebürgermeister Martin Feller (Grüne), seit Monatsbeginn im Amt. „Ich bin gerade am Recherchieren, wie die Summe zustandege kommen ist.“ Offenbar sei der Betrag in einem schleichenden Prozess gewachsen, Nutzungsänderung inbegriffen. „Wenn die Politik zu Anfang gewusst hätte, wie hoch die Kosten sind, hätte sie es vielleicht anders gemacht“, mutmaßt Feller. Das Projekt sei aber im Bauausschuss vorgestellt worden.

Laut Samtgemeindeverwaltung verteilten sich die Baukosten zur Modernisierung und Sanierung der Pausenhalle am Rathaus auf mehrere Haushalte. Für 2015 waren 250.000 Euro eingeplant. 2017 kamen 75.000 Euro hinzu. 2018 waren es 175.000 Euro, und 2019 noch einmal 280.000 Euro.

Um zu verhindern, dass sich so etwas wiederholt, erfasse die Verwaltung nun, wie bereits angekündigt, alle Projekte, ihre Kosten und ihren Realisierungshorizont. „Aber wir haben einen sehr hochwertigen Raum, der es uns ermöglicht, den Bürgern über hochwertige Hightech unsere Anliegen darzustellen“, meint Feller mit Bezug auf die großen Bildschirme im Zuhörerbereich.

Ein Bild von dem neuen Ratssaal können sich Bürger am Montag, 2. Dezember, um 18.30 Uhr machen. Dann wird der Haushaltsentwurf der Samtgemeinde in einer Bürgerinformation vorgestellt. In diesem Rahmen können auch Fragen zu der 750.000 Euro-Investition gestellt werden. Der Ratssaal ist barrierefrei vom Parkplatz hinterm Rathaus erreichbar.

VON GERHARD STERNITZKE

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