SPD und „Bürger für Bad Bevensen“: Wirtschaft wird ausgebootet

Kritik an geplanter Tochtergesellschaft der Kur GmbH

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Übungen im Wasser machen hungrig – doch um den künftigen Betrieb der Bistros in und vor der Jod-Sole-Therme ist in Bad Bevensen eine Kontroverse entbrannt.

Bad Bevensen. Die Pläne der Bad Bevenser Kurgesellschaft, für den Betrieb der Gastronomie in der Jod-Sole-Therme eine neue Gesellschaft zu gründen (AZ berichtete), stoßen auch in Teilen der Bad Bevenser Stadtpolitik auf keine Gegenliebe – die Stadt ist mit 42 Prozent an der Kur GmbH beteiligt, die eben jene Tochtergesellschaft gründen möchte.

So sehen die SPD-Fraktion im Stadtrat als auch die Fraktion „Bürger für Bad Bevensen“ die Pläne äußerst kritisch.

Die Sozialdemokraten teilen das Unverständnis von Konditormeister Jürgen Steinhäußer und haben „volles Verständnis für seine Verärgerung“, sagt SPD-Fraktionsvorsitzende und Bad Bevensens stellvertretende Bürgermeisterin Ellen Laas gestern. Steinhäußer hatte, wie berichtet, die Kritik der Kur GmbH an der Qualität der Thermen-Bistros zurückgewiesen – er liefert dort die Kuchen und Torten hin. „Durch die Äußerung der Kur GmbH wird die Leistung der Bevenser Wirtschaft unberechtigt herabgewürdigt“, meint auch Ellen Laas.

Mehr noch: „Wenn es Probleme im Service gibt, hätte man den Betreiber wechseln können. Es gibt in Bad Bevensen genügend leistungsfähige Unternehmer, die in der Lage sind, solch ein Bistro professionell zu betreiben. Für uns ist nicht nachvollziehbar, weshalb die Kur GmbH die Angebote aus der Wirtschaft nicht annimmt“, sagt Ellen Laas.

Genauso sehen es die „Bürger für Bad Bevensen“: „Bad Bevensen verfügt über eine leistungsfähige Hotellerie und Gastronomie, die durch entsprechende Ausschreibung in der Lage wäre, diese Gastronomie zu betreiben“, betont BfB-Fraktionschefin Brigitte-Susanne Hendel-Andabaka. Besondere Wünsche und Vorstellungen für Qualität und Gestaltung könnten per Ausschreibung festgelegt werden.

Ellen Laas und ihre Fraktion sehen die Gründung der Servicegesellschaft noch aus einem weiteren Grund kritisch: „Der Kur GmbH gehen erhebliche Pachteinnahmen verloren, was die angespannte finanzielle Situation der Kur GmbH weiter belastet.“ Man habe große Sorge, dass ein weiterer defizitärer Betrieb entstehe, der auch zu Lasten der Steuerzahler gehe. „Denn vorsorglich wird von der Kur GmbH schon darauf hingewiesen, dass die Servicegesellschaft keinen Gewinn erzielen soll“, gibt Laas zu bedenken. Fraglich sei nur, ob jemand, der nicht gewinnorientiert arbeite, sich auch tatsächlich um die Zufriedenheit der Gäste bemühe.

Aus Sicht der „Bürger für Bad Bevensen“ führe die Gründung einer Servicegesellschaft „zu einer weiteren organisatorischen Zersplitterung des Fremdenverkehrs in Bad Bevensen”, kritisiert Brigitte-Susanne Hendel-Andabaka. „Ziel der Fremdenverkehrspolitik in Bad Bevensen muss es doch sein, die gegenwärtig vorhandenen organisatorischen Zersplitterungen aufzuheben und nicht zu verstärken und unklare und sich überschneidende Zuständigkeiten zu beseitigen.“

Die SPD-Fraktion teilt diese Bedenken: „Bereits jetzt sind die Zuständigkeiten zwischen Kur GmbH und der BBM für den Gast undurchschaubar. Dieses wird durch eine dritte Gesellschaft noch schlimmer“, sagt Ellen Laas. Und sie geht noch einen Schritt weiter: „Wir haben außerdem große Sorge, dass mit dem sehr weit gefassten Gesellschaftszweck die neue Gesellschaft noch weitere Bereiche übernehmen soll.“

Von Ines Bräutigam

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