Tenor Björn Casapietra tritt in Bad Bevensen auf und bekommt unerwarteten Gesangspartner

Die Kraft der Sehnsucht

Golden Retriever-Rüde „Winnie“ stahl seinem Herrchen Björn Casapietra und Pianist Peter Forster beim letzten Stück des Abends die Show und stürmte auf die Bühne im Kurhaus von Bad Bevensen. Foto: Petersen
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Golden Retriever-Rüde „Winnie“ stahl seinem Herrchen Björn Casapietra und Pianist Peter Forster beim letzten Stück des Abends die Show und stürmte auf die Bühne im Kurhaus von Bad Bevensen.

Bad Bevensen. Es ist kurz vor 22 Uhr, als Björn Casapietra am Sonnabend das letzte Mal zum Mikrofon greift, um seinen Zuhörern ein unvergessliches Gesangsfinale zu bescheren.

Das wird er auch – und zwar in einem unfreiwilligen Duett: Mitten im „O sole mio“ stimmt der Golden Retriever-Rüde „Winnie“ spontan mit seiner tiefen Bass-Stimme ein – erst ein Bellen, dann noch eins. Und als sein Herrchen einfach unbeirrt weitersingt, stürmt er zur Bühne, springt mit einem Satz hinauf und, ja, erobert im Sturm die Herzen aller Zuschauer.

In diesem Moment gerät auch sein Besitzer aus dem Takt: „Er ist öfter mal hinter der Bühne, aber rausgerannt ist er noch nie“, versichert Tenor Casapietra. Da hat er das blonde Nachwuchstalent bereits unter tosendem Applaus in den Backstagebereich bugsiert. Da hat die Sehnsucht im Bad Bevenser Kurhaus längst Pfoten bekommen – und ein haariges Gesicht.

Denn um Sehnsucht geht es an diesem Abend, nicht primär um tierische, sondern um die der Menschen, auch des Sängers selbst. „Die Sehnsucht ist eine starke Kraft. Ohne die Sehnsucht nach einem besseren Leben, nach einem gesunden Leben... Was für Erfindungen wären da nicht gemacht worden“, fragt sich Casapietra.

Es hätte mitunter einige Songs nie gegeben: „Vaters Lied“ zum Beispiel, nach einer Textkomposition des 47-Jähigen, dessen Vater starb, als er fast noch ein Teenager war. „Diese Sehnsucht nach einem Papa, bei dem man Kraft, Trost und Geborgenheit findet, die lässt einen ein Leben lang nicht los“, erzählt er.

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Der Tenor im Interview

Doch viel klarer noch stecken die privaten Botschaften in der Musik: Heimat, Geborgenheit, Liebe – so lauten die Themen, mit denen Casapietra seinen Abend der Sehnsucht würzt. Verpackt in italienischen Klassikern, Neuinterpretationen von Pop-Songs, Filmmusik oder keltischen Volksliedern. Letztere haben es Casapietra besonders angetan. „Ich war vielleicht im früheren Leben ein irischer Fischer oder so“, scherzt der Halbitaliener, nach der Pause nicht nur musikalisch heiterer denn je. So hofft er auf „das berühmte Bad Bevenser Temperament“ in Form gesanglicher Unterstützung aus dem Publikum. Nun, das Ergebnis, fragt man den Experten, „war ok“, und dank Winnie am Ende sicher noch ein wenig mehr als das.

Von Anna Petersen

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