Anwohner sollen beteiligt werden

BfB schlägt Arbeitskreis zum Problem der Müllabfuhr in Sackgassen vor

Kleine, wendige Müllfahrzeuge und normale Müllwagen im Vergleich.
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Kleinere, wendigere Müllfahrzeuge für enge Straßen und Sackgassen hat beispielsweise die Stadt Osnabrück angeschafft. Darauf verweist die BfB-Fraktionsvorsitzende Brigitte-Susanne Hendel-Andabaka.
  • Gerhard Sternitzke
    VonGerhard Sternitzke
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Die Mülltonne rausstellen – für viele Menschen im Uelzener Kreisgebiet wird das zum Problem, denn der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises (AWB) fährt zukünftig viele Sackgassen ohne Wendemöglichkeit nicht mehr an (AZ berichtete). Die Bürger für Bad Bevensen (BfB) setzen sich jetzt für eine bürgerfreundliche Lösung ein. Sie schlagen eine Petition der Kurstadt an den Landkreis Uelzen vor.

Bad Bevensen – „Die Anlieger sind überwiegend ältere und gegebenenfalls auch körperlich eingeschränkte Mitbürger“, gibt die Fraktionsvorsitzende Brigitte-Susanne Hendel-Andabaka zu bedenken. Sie könnten volle Mülltonnen kaum mehrere Meter bewegen, erst recht nicht im Winter bei Eis und Schnee, wenn die Straßen nicht geräumt werden. Auch Nachbarschaftshilfe sei aufgrund der Altersstruktur in den Vierteln nicht zu organisieren. Dabei weist sie auch auf das Gesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen hin. Im Übrigen führten die Ansammlungen von Tonnen an Straßenecken ebenfalls zu Problemen.

Brigitte-S. Hendel-Andabaka , BfB-Fraktionsvorsitzende, setzt sich für eine Lösung für die Müllabfuhr in Sackgassen ein.

„Auch wir haben kein Patentrezept“, betont die Fraktionsvorsitzende Brigitte-Susanne Hendel-Andabaka. „Deswegen schlagen wir die Bildung eines Arbeitskreises vor.“ In diesem solle ergebnisoffen mit den Betroffenen, vielleicht unter Einbeziehung der Senioren- und Inklusionsbeiräte, eine bürgerfreundliche Lösung erarbeitet werden. Bis dahin sollten die Sackgassen zunächst weiter angefahren werden. Der zweite Mitarbeiter auf dem Fahrzeug könne als Einweiser fungieren oder die Tonnen an den Abholort ziehen.

Nach Angaben des Landkreises sind allein im nördlichen Kreisgebiet in der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf und der Gemeinde Bienenbüttel 70 Straßen von der Änderung betroffen. Grundlage sind die Richtlinien der deutschen gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) aus dem Jahr 2016. Dabei handele es sich aber nicht um ein Gesetz, sondern eine brancheninterne Regel. „Jedoch gibt selbst die Branchenregel der DGUV kein Rückfahrverbot vor, sondern nennt vielfältige Alternativen zur Verhinderung von Unfällen beim Rückwärtsrangieren, zum Beispiel durch Einweisung, Verwendung von Heck- und Arbeitsbereichskameras, Einsatz von Fahrerassistenzsystemen“, betont BfB-Politikerin Hendel-Andabaka. Zudem könne man kleinere, wendigere Müllfahrzeuge einsetzen.

Die DGUV-Regeln sollen schwere Unfälle verhindern, betont der Sprecher der Versicherung Stefan Boltz. Ein Müllfahrzeug in Schrittgeschwindigkeit könne für Senioren oder einen stolpernden Einweiser sehr schnell sein. Der Arbeitgeber sei verpflichtet, die Gefährdungslage zu analysieren. „Grundsätzlich sind Entsorgungsfahrten so zu planen, dass die Fahrzeuge nicht rückwärts fahren müssen“, so DGUV-Sprecher Boltz.

„Zur Zeit sind technische Hilfsmittel wie Kameras oder Assistenzsysteme als Ersatz für den Anweiser nicht zugelassen“, stellt Peter Schöps, Sprecher der Landesunfallkasse klar. Kreativen Lösungen der Politik seien keine Grenzen gesetzt: „Es kann eine Sammelstelle an einem Ort eingerichtet werden, der vom Abfallsammelfahrzeug ohne Rückwärtsfahrt angefahren werden kann. Es wird ein Abholservice angeboten. Für die Abfuhr des Abfalls in solchen Straßen werden kleinere Fahrzeuge angeschafft, die dann nicht mehr rückwärtsfahren müssen.“

Die Stadt Osnabrück hat sich für Letzteres entschieden. In einer Pressemitteilung heißt es von der Stadt: „Für die Bürger ändert sich nichts.“

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