Beten und arbeiten

Der Klein Bünstorfer Andreas Schmidt wird 100

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Auch mit 100 Jahren noch aktiv: Andreas Schmidt hält immer noch mit dem Rasentraktor den Garten in Schuss.

Klein Bünstorf – Das Jahr 1919: In Deutschland wird eine demokratische Verfassung eingeführt. Der spätere Bundespräsident Walter Scheel wird geboren. Waghalsige Flugpioniere überwinden Ozeane und Kontinente. Es ist auch das Geburtsjahr von Andreas Schmidt.

Kürzlich wurde er 100 Jahre alt.

Aufrechter Gang, wacher Blick, Schirmmütze auf dem Kopf. Zugewandt, offen. So kennt man ihn in der Gegend. Mit dem Auto fährt er nicht mehr, aber mit dem Rasentraktor dreht der Jubilar immer noch seine Runden. Und kümmert sich auch sonst um den Garten. „Auch wenn wir nichts mehr anbauen“, wie Schmidt erzählt.

Seine große Leidenschaft aber sind die Hühner. Seit 1952 ist er im Geflügelzuchtverein Bad Bevensen Mitglied – und erfolgreich, wie zahlreiche Pokale zeigen. „Aber nur Rhodeländer“, schränkt er ein. Die meist roten Tiere tragen Einzel- oder Rosenkämme. Vom Charakter her gelten sie als ruhig, freundlich gutmütig, robust und vital. Das passt irgendwie auch zu ihrem Halter Andreas Schmidt.

Wer 100 wird, muss die Frage beantworten, ob es dafür ein Rezept gibt. „Doch“, fällt Schmidt ein. „Beten und arbeiten.“ Doch der Reihe nach.

Geboren wird Andreas Schmidt am 2. Dezember 1919 in dem kleinen Dorf Dobring im Kreis Hermannstadt in Siebenbürgen, das zu Rumänien gehört. Er wächst mit sechs Geschwistern als Zweitgeborener auf dem elterlichen Hof auf. Nach der Konfirmation 1934 macht er 1935 eine Lehre zum Zimmermann. Dann kommt der Krieg. Schmidt ist in Russland, Jugoslawien und wieder in Russland.

Nach Kriegsende führt ihn der Weg mit einem Kameraden zufällig nach Klein Bünstorf. Dort beginnt er, auf dem Hof Schlichting zu arbeiten. „Die haben mich auch nicht mehr weggelassen“, fügt er hinzu. Er lernt die Sasendorferin Henriette Wiese kennen, 1953 wird in der Dreikönigkirche in Bevensen geheiratet. Zunächst zieht das Paar ins Haus der Schwiegermutter in Klein Bünstorf, 1978 in das eigene Haus, in dem die Familie mit Sohn Hans-Jürgen lebt. Mit 63 Jahren geht Andreas Schmidt in den „Ruhestand“.

Die Bindung an die Kirchengemeinde, der Halt im Glauben spielen stets eine große Rolle für ihn. 18 Jahre lang ist er im Kirchenvorstand aktiv, findet dort seine Schwerpunkte in den Bereichen Land, Bauen und St. Peter. „Wir haben gut zusammengearbeitet“, findet der Jubilar. Bis zur Gebietsreform ist er auch politisch für das Dorf Klein Bünstorf aktiv. „Aber parteilos“, wie Schmidt betont.

Seine Frau verstirbt 2004. Die alte Heimat in Siebenbürgen besucht er letztmals zu seinem 90. Geburtstag. In schlechten Tagen ist Andreas Schmidt gut versorgt, vom Sohn und auch der Nachbarschaft, wie er vor wenigen Monaten feststellen konnte. Dafür ist er sehr dankbar.

Gefeiert wird heute im Kreis der Familie, mit Nachbarn, Freunden und Weggefährten. Gibt es noch einen Wunsch? „Ja, dass alles so weitergeht und vor allem gesund zu bleiben!“

Woran kann sich der Jubilar erfreuen? Schmidt überlegt. Sohn Hans-Jürgen sitzt mit am Tisch. Darunter macht es sich gerade Kater Paulchen gemütlich. „Hm. Am Garten, mal ein Glas Wein, ein gutes Stück Kuchen.“ „Und dann und wann ein Gläschen Obstler“, ergänzt der Sohn. Das darf heute sicher öfter erhoben werden.

VON UTE BAUTSCH-LUDOLFS

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