Peinlicher Fehler auf Friedhof

Kirchengemeinde Himbergen ebnet Grab versehentlich ein

Das Bild zeigt den Grabstein der Großeltern von Wiebke Mennerich.
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Der Grabstein der Großeltern von Wiebke Mennerich, nachdem die Grabstelle auf dem Himberger Friedhof im vorigen Jahr versehentlich eingeebnet wurde.
  • Gerhard Sternitzke
    VonGerhard Sternitzke
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Die Kirchengemeinde Himbergen hat auf ihrem Friedhof ein Grab versehentlich eingeebnet. Wo die Erinnerungsstätte war, wächst nun frischer grüner Rasen. Die Hinterbliebenen sind empört.

Himbergen – Der Friedhof: ein Ort der Trauer, des Gedenkens, der Erinnerung. Wiebke Mennerich fährt in früheren Jahren oft mit ihren Kindern nach Himbergen – ans Grab der Großeltern Heinrich und Olga Mennerich. Sie sollen wissen, wo sie herkommen, wer ihre Vorfahren waren. Die Familie stammt von einem Bauernhof in der Gemeinde Himbergen, heute lebt sie in der Nähe von Lübeck. Um so größer der Schreck, als Stein und Bepflanzung eines Tages weg sind. Wie vom Erdboden verschluckt. Wo die Erinnerungsstätte war, wächst frischer, saftig grüner Rasen. Das Grab ist versehentlich eingeebnet worden.

Dass Gräber verschwinden, ist Alltag auf den Friedhöfen. Für Grabstellen gilt eine Liegezeit, auf dem Himberger Friedhof beträgt sie für Wahlgräber 30 Jahre. Anschließend werden sie abgeräumt. Es entsteht Platz für neue Bestattungen. Bis dahin wird Rasen eingesät.

Wiebke Mennerichs Vater hat die Liegezeit für seine 1984 und 1987 verstorbenen Eltern allerdings Jahre zuvor verlängert und die entsprechenden Gebühren beglichen. Dennoch verschwindet die Grabstelle im August vorigen Jahres. „Gräber, die verschwinden, schmerzen auch“, sagt die Religionslehrerin und Leiterin einer Grundschule. „Es ist wichtig, solch ein Grab aufrechtzuerhalten und nicht alles plattzumachen. Das hat auch was mit dem Umgang mit Toten, mit Respekt zu tun.“

Bei der Kirchengemeinde Himbergen als Betreiber des Friedhofs treffen Wiebke Mennerich und ihr Vater zunächst auf wenig Verständnis. Von einer Verlängerung stehe nichts in den Akten. Vielleicht hätten sie die Gebühren nicht bezahlt, bekommen sie zu hören. „Der Fehler wurde auf unserer Seite gesucht“, beklagt Wiebke Mennerich. „Dass Fehler passieren, ist menschlich, aber der Umgang damit hat uns erschüttert. Die Kirche hat jedes Fingerspitzengefühl vermissen lassen.“

Bewegung kommt in die Sache, als Wiebke Mennerich mit einer Anzeige wegen Störung der Totenruhe droht. Dann taucht auch die Verlängerung in den Akten auf. Die Kirchengemeinde bietet zunächst an, die zu viel gezahlten Gebühren zu erstatten. Dann lässt sie schließlich Ende des Jahres das Grab auf eigene Kosten würdig wiederherstellen.

Nun erinnert wieder ein Stein an Heinrich und Olga Mennerich. „Als ich am Grab stand, war es ein ganz warmes Gefühl“, erzählt Wiebke Mennerich.

„Ich habe mich mehrmals bei ihr entschuldigt und gesagt, dass es mir fürchterlich leidtut“, sagt Pastor Ulf Cyriacks, der Vorsitzender des Kirchenvorstands ist. Sogar eine Andacht am wiederhergestellten Grab habe er angeboten. „Es ist äußerst peinlich gewesen, dass das passiert ist.“ Die Kirchengemeinde habe tief in die Tasche gegriffen, um die Grabstelle von Steinmetz und Gärtner wiederherstellen zu lassen.

Erst nach längerer Recherche habe sich die Ursache des Missverständnisses herausgestellt. Bevor eine Grabstelle eingeebnet wird schreibt die Kirchengemeinde die Inhaber beziehungsweise ihre Erben an. Der Angeschriebene habe auch zugestimmt. „Es war unvorstellbar, dass es einen zweiten Grabinhaber gibt und dass der sich anders entscheidet“, meint Cyriacks. Tatsächlich habe sich der Vater von Wiebke Mennerich vor 30 Jahren als Mitinhaber eintragen Lassen. „Das ist der Fehler, der von Seiten der Kirchengemeinde geschehen ist.“

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