Von Dorf zu Dorf unterwegs: Eulenexperte Waldemar Golnik vom Naturschutzbund (Nabu)

Kettelstorf: Ein gutes Jahr für Schleiereulen

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Naturinteressierte bewundern das Eulenjunge, das Waldemar Golnik vom Nabu in einer Scheune in Kettelstorf beringt. 

Kettelstorf – Von Dorf zu Dorf ist Waldemar Golnik vom Naturschutzbund (Nabu) unterwegs. Sein Ziel sind die 600 Eulenkästen, die der Nabu in vielen Scheunen im Kreisgebiet unterhält. Jetzt im Mai werden die Küken beringt – und es sind erfreulich viele.

Eine Scheune in Kettelstorf. Traktoren und Maschinen. In einer mit einer Decke ausgelegten Stiege liegen acht Wollknäuel. Wenn Waldemar Golnik mit dem Lederhandschuh nach dem nächsten Küken greift, faucht es giftig. Auf seinem Arm liegend ergibt es sich dann ins Unvermeidliche.

Im Sack geht es wieder zum Eulenkasten.

Der Eulen-Experte vom Nabu legt einen feinen Aluminiumring mit einer sechsstelligen Nummer so um ein Bein, dass noch etwas Luft ist. Anhand der Beringung können Vogelexperten später erkennen, woher eine Eule kommt und wie alt sie ist. „Die Beine wachsen nicht mehr“, erklärt Golnik einer Traube Naturinteressierter, die beim Beringen zuschauen. Die großen Küken zeigen bereits das typische Schleiereulengesicht. Die Herzform dient den nächtlichen Mäusejägern dazu, auch das leiseste Geräusch zu den Ohren zu leiten, weiß der 72-jährige Pensionär zu berichten. Hände strecken sich nach den flauschigen Küken aus. Sie wandern von Arm zu Arm. „Der sieht aus wie ein Teddy“, meint jemand. Die ältesten Küken sind bereits sechs Wochen alt, die jüngsten, die eher hässlichen Entlein gleichen, gerade mal zwei. „Das Weibchen legt die Eier im Abstand von zwei Tagen“, informiert Golnik. In diesem Jahr sind es erstaunlich viele Jung eulen. Und sie haben gute Chancen, durchzukommen.

„Das ist ein gutes Schleiereulen-Jahr“, freut sich der Experte aus Almstorf. Die Vegetation ist noch niedrig und bietet beste Jagdmöglichkeiten für das Eulen-Männchen. Zudem gibt es gerade viele Mäuse. Zunächst werden sie dem Nachwuchs vorgekaut serviert, später verspeisen die Jungeulen die Nager mit Haut und Haar wie ihre Eltern. An dem Gewölle, den länglichen Hinterlassenschaften aus Fell und Knochen, erkennt man die Anwesenheit der Raubvögel, die man selten zu Gesicht bekommt. Wenn genug Futter da ist, versorgen die größeren Küken ihre kleinen Geschwister mit.

Ab dem Alter von einem Monat wird der Eulen-Nachwuchs zur Jagd angeleitet. Dann müssen sich die Jungeulen ein eigenes Revier suchen. Anhand der Ringe lässt sich ihr Weg nachvollziehen. So wurde Nachwuchs aus dem Landkreis Uelzen auch schon in Spanien, Tschechien und Schottland gesichtet, erzählt der Experte.

„Eulen willkommen“, steht auf der Plakette auf dem Hof von Heidi und Wilhelm Ostermann.

Den Einsatz in Kettelstorf nutzt Golnik, um Wilhelm und Heidi Ostermann, die den Platz für den Eulenkasten stellen, als eulenfreundlichen Hof auszuzeichnen. „Eulen willkommen“, steht auf der Plakette. Das ist wichtig, denn moderne Gebäude bieten keine Öffnungen mehr. Die Bauern haben auch etwas davon. „Die Eulen sind unheimlich gute Mäusebekämpfer“, betont Golnik.

Allein an diesem Tag hat er 60 Junge beringt. Und der 72-Jährige zeigt keine Ermüdungserscheinungen. In seinem grauen Kittel erklimmt er die Leiter, den Sack Eulen in der Hand, der jeden Uhlenköper erfreut hätte. Dann steigt er über einen Balken und entlässt den Eulen-Nachwuchs wieder in sein Nest.

VON GERHARD STERNITZKE

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