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Kein Kindergartenplatz für Luis

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Familie Strung mit Kindern zu Haus.
Vanessa Strung und Jörg Benecke haben für ihren Sohn Luis Emilian (3) – hier mit mit Henri-Florentin – keinen Kindergartenplatz bekommen. Insgesamt fehlen zum neuen Kitajahr 27 Kindergarten- und 16 Krippenplätze. © Sternitzke, Gerhard

Abgewiesen. Kein Platz für Luis Emilian. Vanessa Strung wollte ihren dreijährigen Sohn für das neue Kindergartenjahr in der Evangelischen Kita in Bad Bevensen anmelden, nur zehn Minuten zu Fuß von zu Hause. Doch es gab eine Absage – und sie ist bei Weitem nicht die einzige Betroffene

Bad Bevensen – Auch in der DRK-Kita an der Villa im Park können nicht alle Elternwünsche erfüllt werden. Schon wieder fehlen in der Kurstadt Kita-Plätze.

Vanessa Strung hat dafür wenig Verständnis. Die Stadt habe Neubaugebiete ausgewiesen. Nun seien die jungen Familien da. „2020/2021 sind ganz geburtenstarke Jahrgänge. Die kommen in den nächsten Jahren in die Kindergärten“, sagt die 38-Jährige. „Bad Bevensen hat das alles komplett verschlafen. Und Tagesmütter gibt es auch nicht wie Sand am Meer“, gibt die Mutter zu bedenken.

Tatsächlich fehlen nach Angaben der Stadt zum nächsten Kitajahr 27 Kindergarten- und 16 Krippenplätze. Außerdem müssten auch noch ukrainische Flüchtlingskinder aufgenommen werden. „Wir versuchen jetzt mit Hochdruck, mit dem Landkreis und den Betreibern eine Lösung zu finden“, berichtet Stadtdirektor Martin Feller auf AZ-Nachfrage.

Selbst noch bis dahin Container zu finden, werde schwierig. „Und es gibt keine Erzieher“, betont der Stadtdirektor. Die Verwaltung befrage deshalb bereits alle Ukrainerinnen, ob sie über eine pädagogische Ausbildung verfügen.

Vanessa Strung will ihren Anspruch auf einen Kindergartenplatz notfalls auch vor Gericht einklagen. „Unsere Kinder wollen auch ein bisschen Kontakt“, erklärt die Mutter. „Mir geht es auch um das Sozialverhalten in der Gruppe und dass sie mit anderen Kindern spielen können.“

Vielleicht löst sich das Problem noch von allein. Laut Stadtdirektor Feller waren die Kitas in den vergangenen Jahren auch überbucht, zum Beginn des Kindergartenjahrs glichen sich dann nicht genutzte Plätze und die Wünsche noch nicht berücksichtigter Eltern aus. Darauf verlassen kann sich die Stadt nicht. Der Rechtsanspruch auf einen Platz richtet sich zunächst an den Landkreis.

Grund für den Andrang auf die Kindertageseinrichtungen einschließlich Waldkindergarten ist der starke Zuzug nach Bad Bevensen, nicht nur in den Baugebieten, sondern auch in der übrigen Stadt – und die vom Land erklärte Beitragsfreiheit, betont Feller.

Noch 2018 sei die Stadt mit vier Kindergarten- und zwei Krippengruppen in der evangelischen Kindertagesstätte sowie dem DRK-Waldkindergarten ausgekommen. Nun reichen auch die zwei Kindergartengruppen und die Krippengruppe des DRK in der Containeranlage nicht mehr aus. Bereits in Planung seien zwei weitere Gruppen. Gleichzeitig stiegen die Kosten für die Stadt von 850 000 Euro im Jahr 2018 auf 1,56 Millionen Euro in diesem Jahr – für die es nur einen unzureichenden Ausgleich von Land und Landkreis gebe.

Auf Antrag der SPD hat der Rat beschlossen, mit dem DRK ein Kitazentrum für den zusätzlichen Bedarf zuschaffen. Dies umzusetzen brauche angesichts des Genehmigungsrechts jedoch Zeit.

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