Unfallkommission des Landkreises bewertet Verkehrssituation in Himbergen / Radarmessung

(K)ein Gefühl für Geschwindigkeit

+
Diskutierten vor Ort die aktuellen Verkehrsbrennpunkte in Himbergen (von links): Bürgermeister Jürgen Hinrichs mit Matthias Schild und Andreas Dobslaw von der Unfallkommission für den Landkreis Uelzen. 

Himbergen. Auf dem Gehweg gegenüber der Kirche stehen schon Warnbaken, weil die Himberger sich nicht mehr ganz sicher fühlen.

„Seitdem die Umleitungsstrecke für den Ausbau der Dahlenburger Ortsumgehung durch unseren Ort führt, ist hier Geschwindigkeit ein Thema“, weiß Himbergens Bürgermeister Jürgen Hinrichs. Vor allem die der durchfahrenden Lkws. Außerdem nutzten diese im Begegnungsverkehr immer wieder den Gehweg als Ausweichfläche – daher die Warnbaken. Nun hat das Gemeindeoberhaupt gemeinsam mit Matthias Schild und Andreas Dobslaw von der Unfallkommission des Landkreises Uelzen die Situation vor Ort unter die Lupe genommen.

Während des Gesprächs vor dem Gemeinderaum an der Göhrdestraße müssen die Herren immer wieder Redepausen einlegen. Weil Lkws, so der Eindruck, am laufenden Band durch den Ort rattern. Der gerade, der war aber schnell! Matthias Schild winkt ab: „Der ist höchstens 50 gefahren.“ Der Verkehrsexperte des Landkreises weiß: Ganz oft wird die wahrgenommene Geschwindigkeit sehr subjektiv bewertet.

Um objektive Daten zu erhalten, hat die Polizei daher in dieser Woche einen Tag lang, von 11.30 bis 17.30 Uhr die Geschwindigkeit der Fahrzeuge an der Göhrdestraße in Himbergen, in Höhe des Hauses Nummer 24, gemessen. Das Ergebnis für beide Richtungen sieht so aus: zwölf Verstöße, davon wurden vier als Verkehrsordnungswidrigkeit geahndet, acht Mal wurde eine Verwarnung ausgesprochen. Das schnellste Fahrzeug war mit 81 Sachen unterwegs, insgesamt wurden 464 durchgefahrene Fahrzeuge gezählt.

„Insgesamt ist die Verkehrsbelastung also eher gering“, lautet das Fazit von Andreas Dobslaw, Verkehrsexperte bei der Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen, „und auch die Anzahl der Verstöße gibt so zunächst keinen Anlass zur Sorge.“ Zwar sei der Anteil der Lkws vor Ort hoch gewesen, „diese sind aber eigentlich alle im zulässigen Rahmen unterwegs gewesen“, sagt Dobslaw. Für Geschwindigkeitsbegrenzungen oder ähnliche Maßnahmen gibt es also keinen Anlass.

Dennoch wird zumindest im Bereich der Himberger Grundschule künftig Tempo 30 gefahren. Die Anordnung dafür hatte Matthias Schild gleich mitgebracht und drückte sie dem strahlenden Bürgermeister in die Hand. Hinrichs hatte die Temporeduzierung beim Landkreis auf Grundlage einer Gesetzesänderung beantragt, die seit Jahresanfang in Kraft ist. Danach können Tempo-30-Zonen einfacher vor Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen oder Altenheimen ausgewiesen werden.

Zwischen dem Ortseingang aus Römstedt kommend und der Einmündung Wiebeckstraße werden nun also in Kürze entsprechende Schilder aufgestellt, dann gilt dort zu den Öffnungszeiten der Schule – montags bis freitags von 7.30 bis 14 Uhr – Tempo 30. „Es wurde da in der Vergangenheit viel diskutiert“, erinnert Jürgen Hinrichs, auch Zebrastreifen und Ampeln seien im Gespräch gewesen. Die Tempo-30-Regelung sei nun eine gute Lösung. „Damit haben wir den Westflügel des Ortes beruhigt“, sagt er. „Bleibt der Ostflügel...“

Dort jedoch, an der Ortseinfahrt über die Wiesenstraße, sehen weder Dobslaw noch Schild Handlungsbedarf. Weder für hölzerne „Eingangstore“, die sich Hinrichs für eine Verengung der Fahrbahn am Osteingang wünscht noch für andere Temporeduzierungen. „Ich glaube nicht, dass es dort ein echtes Geschwindigkeitsproblem gibt“, sagt Matthias Schild. Wie die Zahlen der Messungen an der Göhrdestraße belegen: Die Wahrnehmung von Tempo ist oft sehr subjektiv.

Von Ines Bräutigam

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare