Kein Gedanke an das Risiko

Hauptangeklagter gesteht Automatensprengung auf Bevensen Bahnhof und Fahrt durch Baumarkt

Das Tatauto findet sich, mit Farbe übergossen, auf einem Parkplatz im Lüneburger Stadtteil Kaltenmoor. Der Hauptangeklagte S. aus Bad Bevensen gesteht gestern die filmreife Fahrt durch einen Baumarkt.
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Das Tatauto findet sich, mit Farbe übergossen, auf einem Parkplatz im Lüneburger Stadtteil Kaltenmoor. Der Hauptangeklagte S. aus Bad Bevensen gesteht gestern die filmreife Fahrt durch einen Baumarkt.

Lüneburg/Bad Bevensen – In der Wahl ihrer Hilfsmittel waren sie erfinderisch: Mal reichte ein Kuhfuß, um einen Parkautomaten aufzubrechen, mal wurde ein Zigarettenautomat abgeflext und einfach mitgenommen.

Zweimal wurde ein Fahrkartenautomat auf dem Bevenser Bahnhof zur Detonation gebracht, einmal mit Böllern, einmal mit Gas. So hatte es jedenfalls Staatsanwalt Jochen Kaup im Prozess gegen eine mutmaßlich sechsköpfige Bande von Automatenknackern geschildert (AZ berichtete). Gestern, am zweiten Verhandlungstag gab es im Landgericht Lüneburg Geständnisse.

„Ich bin selbst schuld an meiner Situation und habe die Verantwortung. Das gilt auch für mein Drogenproblem“, räumte der Bevenser S. ein, den Staatsanwalt Kaup als Kopf der Bande sieht. Er habe regelmäßig Alkohol, vor allem Whiskey, und Kokain konsumiert, soweit es seine Finanzen zuließen, betont der 29-Jährige in dem von Verteidigerin Jutta Heck verlesenen Geständnis. Um seine Sucht zu finanzieren, sei er in die Kriminalität gerutscht. Seine Heirat habe die Situation nur vorübergehend verbessert. Zeitweise habe sich seine Frau mit den Kindern von ihm getrennt.

So schildert er auch, wie der Einbruch in ein Bevenser Lokal spontan bei einem Kneipenbesuch geplant wurde. Am Vorabend habe er dort viel Geld am Spielautomaten verloren, 200 bis 300 Euro etwa. „Komm, wir holen uns mein Geld wieder!“, habe er zu seinem Freund R. gesagt, der ebenfalls angeklagt ist. Um den Fahrkartenautomaten in Bevensen zu sprengen, leitete die Truppe Gas ins Innere ein und zündete eine Lunte aus Benzin. Den Zigarettenautomaten in Celle steuerte sie zweimal an, weil der Akku der Flex beim ersten Mal schlapp machte. Die Polizei fand ihn später im Inselsee bei Scharnebeck. Über den Verbleib der Beute macht S. wie seine Mitangeklagten keine Aussage.

Leer ging die Bande dagegen bei der spektakulären Fahrt durch einen Lüneburger Baumarkt aus. Der Audi A6, mit der sie eine Spur der Verwüstung hinterließ, war auf einen falschen Namen gekauft. Zuvor hatte S. einen „Tipp“ erhalten, dass im Baumarkt ein Tresor steht. „Ich habe nicht mal nachgedacht, ob die Aktion riskant sein könnte“, erzählt S.

Den Diebstahl einer Spendendose ebenso wie einen Einbruch, bei dem in Lüneburg eine Kehrmaschine entwendet wurde, habe er nicht begangen. Er habe lediglich einem Serben sein Konto für die Transaktion zur Verfügung gestellt, betont S. „Ich hielt es für möglich, dass etwas nicht korrekt gelaufen ist.“

Teilgeständnisse legen auch zwei Mitangeklagte ab. R. betont, an der Amokfahrt durch den Baumarkt nicht beteiligt gewesen zu sein. „Ich habe von den Plänen im Baumarkt gewusst. Die Tat war mir aber zu irre“, stellt er in dem ebenfalls verlesenen Geständnis klar. E. behauptet, an dem Raub des Zigarettenautomaten nicht mitgewirkt zu haben.

Im Mai klickten die Handschellen. 230 Beamte von Polizei und Bundespolizei waren beteiligt, als drei der sechs Angeklagten in Bad Bevensen, Lüneburg und Winsen/Luhe festgenommen wurden.

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