Kartoffeltag mit Comic-Kultur

Signierstunde mit Cartoonist Volker Nökel.

Barum - Von Barbara Kaiser. Da sitzt einer neben der Hofkastanie, die ihre dicken Stachelfrüchte in Sonne und Wind schaukelt, und strahlt Gelassenheit und Souveränität wie die größte, freundlichste Kartoffel.

Man kann mit ihm schwätzen, aber auch ernsthaft reden. Zum Beispiel darüber, was Widerstand zu bewirken im Stande ist. „Das hat mir sehr imponiert“, erklärt der Zeichner Volker Nökel rundheraus, als von der Linda-Rettung die Rede ist und Karsten Ellenbergs Engagement zur Sprache kommt. Der einzelne Landwirt gegen den großen Konzern. „Man kann also doch was bewegen“, sagt Nökel und grient breit wie eine seiner aufgeräumtesten Knollen im Buch, in dem er zu Ehren von Linda alle seine Kartoffel-Comics zusammen fasste.

Am Freitag war der Mann aus Kiel anlässlich des Kartoffelschnuppertages in Barum zu Gast (die AZ berichtete). Zwischen Rösti und Fiedel-Musik, die herrlich ins Hofambiente passte, wenn auch sonst eher in Kaffeehäusern beheimatet, informierten sich die zahlreichen Besucher über Karsten Ellenbergs Bemühungen, alte Kartoffelsorten zu bewahren und neue zu entwickeln. Sie staunten über die Farbigkeit des Nahrungsmittels aus dem fernen Südamerika und amüsierten sich über die Art der Betrachtung durch Nökel.

„Die Kartoffel funktioniert als Figur hervorragend“, sagt der, „denn Kartoffeln sind auch nur Menschen.“ Könnte man meinen, vertieft man sich in die Bilder und Texte des Zeichners. Da gibt es „Die Tellkartoffel“ – Schiller lässt grüßen, oder das „Kartoffelpü-Reh“ und das Nachtschattengewächs auf suspektem Straßenstrich.

Man lacht über die Entdeckung einer Sorte ganz anderer Art - mit Fell, und freut sich über die Aufschrift „Linda lebt“ auf der (Wieder)Geburtstagstorte. Das Geburtstagskind bekommt eine Krone aufgestülpt. Isst der Künstler eigentlich auch Kartoffeln und kennt er die Ellenbergschen? „O ja, gerne, und ich habe einen Bestellzettel von meiner Nachbarin dabei, die die Sieglinde will!“ Er selbst habe sich die Bekanntschaft mit den Bamberger Hörnchen vorgenommen. In Barum ist das kein Problem. – Vielleicht wird Volker Nökel in seinem zweiten Kartoffelbuch, das in Arbeit ist, dann sein eigenes Suchtproblem künstlerisch zu bearbeiten haben, denn von den roten und gelben, runden und schlanken, mehligen oder festen Erdfrüchten kommt nicht mehr los, wer sie erst einmal probierte. Oder, um das mit einem Bild des Zeichners zu kommentieren: Sie sind „VIPs – Very important Potatoes“.

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