„Jeder Igel ist anders“

Cordula Kellner päppelt in Jelmstorf kleine Säugetiere wieder auf

Cordula Kellner hält einen Igel
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Igel sind laut Cordula Kellner Charakterköpfe. In ihrem Keller und in der umgebauten Garage pflegt sie 32 Igel, die unter anderem durch Mähroboter verletzt worden sind.
  • Lars Lohmann
    VonLars Lohmann
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„Das haben die Igel bestimmt“, sagt Cordula Kellner auf die Frage, warum sie sich ausgerechnet für den Schutz der kleinen stacheligen Säugetiere engagiert. Als sie vor zwölf Jahren noch in Wolfenbüttel wohnte und bei der Suche nach ihrer Katze einen hilflosen Igel fand, begann ihre Leidenschaft. 

Jelmstorf - Heute pflegt sie zu Hause in Jelmstorf 32 Igel und leitet den Verein Igelhilfe Lüneburger Heide.

Die Igel selbst kommen mit den unterschiedlichsten Verletzungen zu Cordula Kellner. Schnittverletzungen durch Mähroboter, Motorsensen oder andere Gartengeräte seien keine Seltenheit. „Die Igel haben tiefe Wunden im Gesicht, verlieren ein Auge oder haben andere schwere Verletzungen“, berichtet sie. Dann seien oft Operationen notwendig, damit die Tiere überleben.

Damit die Igel gar nicht erst verletzt werden, hat Cordula Kellner einige Tipps. So sollten Mähroboter nur tagsüber und unter Aufsicht unterwegs sein, da die Igel nachtaktiv sind und ansonsten vom Mähwerk verletzt werden. „Bei Gefahr rollt sich ein Igel ein, gibt keinen Laut von sich und erträgt es einfach“, erklärt sie. Daher sei es wichtig, vor dem Einsatz von Geräten den Bereich genau abzusuchen. Vor allem in Laubhaufen, unter Büschen oder auch angelehnten Brettern verstecken sich die Igel gerne tagsüber, um dann in der Nacht auf Nahrungssuche zu gehen. Schnecken gehören laut Cordula Kellner übrigens nicht zu den Leibspeisen des Igels. „Die isst ein Igel nur in der Not. Er frisst lieber Insekten und vor allem deren Larven“, sagt sie.

Es lauern aber noch andere Gefahren im heimischen Garten auf den immer seltener werdenden Igel, der in Bayern bereits auf der Roten Liste steht. So sollte kein Schneckenkorn verwendet werden, weil die Igel das Gift aufnehmen, wenn sie sich die Pfoten lecken. „Dann lösen sich im Lauf von zwei bis drei Tagen die inneren Organe des Igels auf und die Tiere sterben qualvoll“, erklärt Kellner. Auch Teiche, Kellertreppen oder Schächte sind tödliche Fallen. Meist kann aber durch das Abdecken oder ein Brett als Kletterhilfe Abhilfe geschaffen werden. Auch Gelbe Säcke können zur tödlichen Gefahr für Igel werden, wenn diese hineinkriechen und dann zum Beispiel in Dosen feststecken. „Igel sind Kletterkünstler. Am besten sollten die Säcke an einem Haken unerreichbar aufgehängt werden“, rät Kellner.

Igel selbst sind laut der Jelmstorferin Charakterköpfe. „Jeder Igel ist anders, die einen sind eher scheu, die anderen frech“, sagt sie über ihre Schützlinge, die sie in ihrem Keller und in der umgebauten Garage wieder aufpäppelt. Dabei brauchen es die Igel warm und bekommen proteinreiche Nahrung in Form von Welpenfutter. Katzenfutter geht laut Cordula Kellner auch, muss aber ohne Soße sein.

Wer Fragen hat oder einen verletzten Igel gefunden hat, kann sich im Internet unter igelhilfe-lueneburger-heide.de informieren oder meldet sich übers Igeltelefon unter (0 58 21) 9 69 68 95.

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