Medingen: Jugendliche aus verschiedenen Ländern erneuern gemeinsam Bootsstege an der Ilmenau

Jeder Einzelne ist gefordert

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Unter den wachsamen Augen von Jürgen Feuerhake (l.) schrauben die Jugendlichen den neuen Bootssteg zusammen.

Bad Bevensen/Landkreis. Der Akkuschrauber surrt Schraube für Schraube in die dicken Bohlen, die Flex schiebt sich mit lautem Kreischen über das Holz und an der Böschung graben sich Rechen und Harken in den Boden.

Emsiges Treiben herrscht gestern Morgen am Bootsanleger in Medingen: In Regie der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd) sind derzeit 15 junge Menschen im Alter von 16 bis 23 Jahren dabei, gleich mehrere der hölzernen Anlegestellen entlang der Ilmenau wieder auf Vordermann zu bringen.

Das Projekt wird von zahlreichen Institutionen unterstützt und begleitet – unter anderem sind die Heideregion Uelzen und der Kreisjugendring, die Landwirtschaftskammer und der Kreisverband der Wasser- und Bodenverbände mit im Boot. Von Letzterem ist Jürgen Feuerhake gestern Morgen in Medingen in Aktion. Seine Beine stecken in einer langen Anglerhose, und im Wasser der Ilmenau stehend gibt er Tipps fürs Bohren, Schrauben und Schleifen. „Vor zwölf Jahren haben wir schon einmal ein solches Camp begleitet“, sagt Feuerhake. Die Erfahrung merken die jungen Leute ihm sofort an. „Er macht das super“, schwärmt ijgd-Teamerin Lydia Stolle, „und ist dabei total entspannt.“

Aus Spanien, Frankreich, Mexiko, aus Italien, Russland, Serbien, der Ukraine und aus Deutschland kommen ihre Schützlinge, die für die nächsten drei Wochen in einem Haus in Bruchtorf zusammenleben und an den Bootsstegen arbeiten. „Es geht darum, Gesellschaft in einem anderen Kontext zu erleben“, sagt Stolle, die Politik und Wirtschaft studiert und seit 2012 für die ijgd im Einsatz ist.

„Es ist spannend, zu sehen, wie eine Gruppe zusammenwächst, sozusagen eine neue Form von Gesellschaft geschaffen wird“, findet die 23-Jährige, „und das Camp ist aktive Antirassismus- und Antisexismusarbeit.“ Denn in der Gruppe gibt es keine Hierarchien. Jeder Einzelne ist gefordert, damit das Miteinander gelingt. „Und wenn es dann zum Beispiel mit dem Kochen mal nicht geklappt hat, dann essen eben alle Brot.“

Pierre Coudret nimmt bereits zum fünften Mal an einem solchen Workcamp teil. In Frankreich, Dänemark und England war er schon. Jetzt ist er zum ersten Mal in Deutschland. „Unter Gleichaltrigen aktiv zu sein und etwas Sinnvolles zu tun“, nennt der 23-jährige Franzose auf Englisch seine Motivation. In seinem Job sitze er die meiste Zeit am Computer, sagt Pierre Coudret. Da sei es schön, einmal die Ärmel hochkrempeln und unter freiem Himmel zupacken zu können.

Genau das hat auch Maria Sala gereizt. Die 19-jährige Spanierin liebt nicht nur das handwerkliche Arbeiten, sondern auch das Reisen. Und es gibt noch einen weiteren Anreiz, gerade jetzt an der Ilmenau im Landkreis Uelzen zu arbeiten: „In Deutschland ist es nicht so heiß wie in Spanien“, schmunzelt Maria.

Von Ines Bräutigam

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