„Im Film, da würd´s jetzt regnen...“

Jane Comerford singt in Bad Bevensen Lieder über Liebe und Beziehungen und andere Tragödien

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Die gebürtige Australierin Jane Comerford präsentierte in Bad Bevensen unter anderem Lieder von Leinwandgrößen wie Marilyn Monroe. 

Bad Bevensen – Wer kennt sie nicht, diese Szene aus dem Klassiker „Casablanca“, in der Ingrid Bergman als Ilsa Lund von Sam, dem Bar-Pianisten verlangt, „es“ noch einmal zu spielen. Und er spielt es und singt das zu Herzen gehende „As time goes by“.

Mit diesem Song beginnt Jane Comerford, gewandet in einen kimono-artigen Umhang, am Freitagabend ihr unter dem Titel „Filmreif“ stehendes Konzert im Kurhaus in Bad Bevensen.

„Auf dieser Tournee gibt es total unterschiedliche Situationen“, sagt sie anschließend, erinnert sich an ausverkaufte Hallen und bescheinigt dem nicht ganz so zahlreich erschienenen Publikum „Bad Bevensen ist ganz exklusiv“. Und so singt sie dann fast zwei Stunden „nur für euch“.

Die Sängerin und Dozentin an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg erzählt ein wenig aus ihrem Leben, berichtet, dass sie, die am Neujahrstag des Jahres 1959 im australischen Newcastle zur Welt kam, als Kind gerne ihrem Vater zuhörte, wenn der schon morgens in aller Frühe am Klavier saß und die Stücke der großen Orchester seiner Zeit spielte.

Auf einem Tablett reicht Michael Hagel, Arrangeur und Begleiter an Klavier und Akkordeon, der Sängerin ellbogenlange Handschuhe – recht sinnlich entledigt sie sich ihres Umhangs und steht in einem tief ausgeschnittenen pinkroten Abendkleid vor ihren Konzert-Besuchern. Bewundernde „Oooohs“ quittieren diesen Wandel zur Diva, zum Vamp.

Ein Bein keck durch den schenkelhohen Schlitz im Kleid gestellt, spielt sie die Monroe, haucht deren „Diamonds are girls best friends“ ins Mikro. Ihre einzigartige, mit leicht australischem Akzent geprägte Stimme – eine Mischung aus Barbie, Marilyn und Annett Lousian – passt wunderbar dazu.

Dass auch damals schon nicht alles glänzte im Show-Business, macht sie, nun am Klavier sitzend, deutlich mit ihrem Lied „Im Film“: „Ich hätt‘ es wissen müssen, bei Klappe 1 schon war es klar, dass ich in deinem Film doch nur die Zweitbesetzung war. Im Film, da würd´s jetzt regnen und ein Wunder würd‘ geschehn – doch im wahren echten Leben muss ich jetzt im Regen alleine weitergehn.“ Ja, sie verarbeitet in ihren Liedern, zu denen Elke „Pille“ Hillebrand-Engelke teilweise die Texte beisteuerte, viel Liebesleid, wünscht sich endlich „beziehungsweise“ zu werden, erkennt beim „Jubiläumsrendezvous“, dass sich der Traummann von einst nach 20 Jahren sehr zum Negativen verändert hat. Ihrem früh verstorbenen Vater – und allen Vätern im Saal – widmet sie „Der Erste“ – Kloß im Hals und Tränchen im Augenwinkel.

Als Zugabe kommt dann der Song, der sie und ihre Band „Texas Lightning“ bekanntmachte: „No, no, never“. Vorweg erläutert sie den traurigen Hintergrund zu diesem Lied und spielt am Flügel zunächst die als Ballade im Blues-Stil gedachte Version – dann erst setzt die ESC-Fassung ein und beendet einen wehmütig-schönen, spritzig-temperamentvollen Abend mit „Hollywood, Pyjamas & anderen Tragödien“.

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