Die Könige der Stadt

800 Jahre Bevenser Gilde: Wilhelm Rabe erneuert alte Schützenscheiben

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Mit einem selbst gebauten Holzzirkel malt Wilhelm Rabe in seiner kleinen Werkstatt die Ringe auf die alten Bevenser Königsscheiben auf. Zwölf davon hat er restauriert.

Bad Bevensen – In der Werkstatt riecht es nach Farbe. Ein kleiner Raum. Sauber aufgereiht hängen Hohlbeitel, Raspeln und Schraubzwingen an der Wand.

In der Mitte auf einem drehbaren Gestell eine runde Holzscheibe, ausgebessert und frisch gestrichen in den Bevenser Farben Schwarz und Weiß.

Insgesamt zwölf Schützenscheiben hat Wilhelm Rabe auf diese Weise wieder aufgearbeitet. Rechtzeitig zu den 800-Jahr-Feierlichkeiten der Bevenser Gilde sollen sie wieder an den Häusern hängen, von denen sie abgenommen wurden.

Michel Perkun war 1672 Schützenkönig in Bevensen. Seine Scheibe ist aber nicht mehr original.

Die Zeit hinterlässt Spuren. Trotz der Restaurierung sind die Schrunden, die Sonne, Regen und Frost im Holz hinterließen, noch erkennbar. Rabe hat die Farbe abgeschliffen und die Lücken mit Kunstharz geschlossen. Er hat die Scheibe grundiert, zweimal weiß gestrichen und dann die schwarzen Ringe aufgebracht. Die Einschusslöcher hat er mit Dübeln markiert. Mithilfe eines selbst gebauten Zirkels malt er die Ringe. Die Jahreszahl 1913 ist zu lesen. Den Namen des damaligen Schützenkönigs Jürgen Wilhelm Bünde muss er noch aufkleben.

„Jeder Schützenbruder macht was zum Jubiläum. Das ist mein Beitrag zum Jubiläumsjahr“, sagt Rabe bescheiden. Die alten Schützenscheiben im Stadtbild sieht er als Kulturgut. „Das soll erhalten bleiben“, findet der 70-Jährige, der als ehemaliger Hauptmann der Schützenkompanie den Rang eines Gildeherrn hat. Dafür wendet der frühere Rundfunk- und Fernsehtechnikermeister etwa acht Stunden Arbeit je Scheibe auf. Und deshalb will er im nächsten Jahr auch Führungen zu den alten Königsscheiben anbieten.

Die älteste Schützenscheibe, die in der Bergstraße 9 aufgehängt werden soll, erinnert an Michel Perkun, der 1672 König der Bevenser Gilde wurde. Der Schusterknecht wurde laut Bevenser Ortsnamenbuch 1623 bei Königsberg geboren. Als er den besten Schuss abgab, war er 49 Jahre alt. Seine Scheibe ist allerdings kein Original, sie wurde wie alle älteren Scheiben geschaffen, um an die lange Geschichte der Bevenser Schützen zu erinnern.

Original erhalten ist dagegen die Scheibe von 1913. Schützenkönig Jürgen Wilhelm Bünde, geboren 1858, war Zimmerer-Polier. Seine Scheibe wird wieder an der Glockeneichenstraße 3 aufgehängt. Rabe hat die Scheibe mit zusätzlichen Holzstreben auf der Rückseite verstärkt, damit sie die nächsten 100 Jahre an den Schützenkönig im letzten Jahr vor dem Ersten Weltkrieg erinnert.

VON GERHARD STERNITZKE

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