Selbsthilfe und Solidarität

100 Jahre Arbeiterwohlfahrt: Ortsverein Bad Bevensen feiert am Sonntag

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Seit 30 Jahren organisiert der AWO-Ortsverein Bad Bevensen einen Senioren-Mittagstisch. Links die zweite Vorsitzende Doris Wendland.

Bad Bevensen – Wenn die Tür des AWO-Treffs am Krummen Arm 15 offen steht, bleibt Birgitt Sörnsen nicht lange allein. Der eine braucht Hilfe beim Rentenantrag, der andere will einfach nur reden.

Die Vorsitzende des AWO-Ortsvereins Bad Bevensen hat für alle ein offenes Ohr, und wo sie allein nicht helfen kann, vermittelt sie einen Kontakt.

AWO ist die Abkürzung für Arbeiterwohlfahrt, und die wird jetzt 100 Jahre alt. Die AWO Bevensen feiert dieses Jubiläum und 30 Jahre ehrenamtlichen Senioren-Mittagstisch am Sonntag, 1. September, mit einem kleinen Fest auf dem Kirchplatz.

„Arbeiterwohlfahrt – eine Organisation, hervorgewachsen aus der Arbeiterbewegung, mit dem bewussten Willen, in das große Arbeitsgebiet der Wohlfahrtspflege ihre Ideen hineinzutragen: die Idee der Selbsthilfe, der Kameradschaftlichkeit und Solidarität, aber auch die Idee, dass Wohlfahrtspflege vom Staat und seinen Organen betrieben werden muss“, zitiert Birgitt Sörnsen die Gründerin der AWO Marie Juchacz (1879 bis 1956), eine der ersten Frauen in der Nationalversammlung.

Im Dezember 1919 entsteht die AWO zunächst als Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt in der SPD. Birgitt Sörnsen betont aber die Überparteilichkeit. „Wir sind ganz neutral“, sagt die 62-Jährige, die auch Mitglied im Landesvorstand ist. Auch die AWO plagen Nachwuchssorgen. Birgitt Sörnsen selbst, seit 2002 im Amt, sucht seit Jahren eine Nachfolgerin. Der Ortsverein ist auf 141 Mitglieder geschrumpft. Nur noch in Uelzen gibt es einen weiteren AWO-Ableger. Die Kreisverbände Uelzen, Lüneburg und Lüchow-Dannenberg sind 2013 fusioniert. Hauptsitz ist Lüneburg.

In der Zeit der großen Not nach dem Zweiten Weltkrieg war das ganz anders. In Uelzen betrieb die AWO seit 1947 am Fischerhof eine psychosomatische Klinik für Kriegsversehrte. Im Bohldamm-Lager gründete sie 1951 den ersten Kindergarten für Flüchtlingskinder. Jahrelang organisierte die Hilfsorganisation eine Kinderverschickung an die Nordsee. Es gab in Uelzen eine Essensausgabe und eine Nähstube.

Seit 1987 ist der Ortsverein Bad Bevensen aktiv. Gründungsvorsitzende war die SPD-Ratsfrau Gudrun Engellien. Zunächst wurden Fahrten für Frauen nach Brustkrebs angeboten. Seit 30 Jahren bieten Ehrenamtliche donnerstags einen Senioren-Mittagstisch im Gemeindehaus der Dreikönigs-Kirchengemeinde an. Dabei ist das gemeinsame Essen eine willkommene Gelegenheit, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Doch auch hier herrscht Nachwuchsmangel. Das Essen kommt inzwischen vom Caterer.

Daneben gibt es viele weitere Angebote von der Handarbeit bis zum Kaffeenachmittag, vom Tanzen bis zur Gymnastik. Im AWO-Treff wird eine psychosoziale und eine Arbeitslosenberatung angeboten. Auch die Idee der Selbsthilfe und Solidarität wird weiter gelebt. So werden langjährige Mitglieder, bevor sie die erste Pflegestufe erhalten, unterstützt.

• Am Sonntag, 1. September, ab 13 Uhr lädt die AWO zum Jubiläumsfest auf dem Kirchplatz ein. Mit dabei sind die Dreikönigs-Kirchengemeinde, der SPD-Ortsverein sowie die örtliche Kinder- und Jugendfeuerwehr. Die Band Lemon Sweet macht Musik. Angeboten werden Kinderschminken, ein Grillwagen, Crêpes, Kaffee und Kuchen.

VON GERHARD STERNITZKE

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