„Mensch 2017": Elke Scherwinsky unterstützt junge Flüchtlinge

Integration mit viel Energie

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Telefonate, Formulare, Arztbesuche: Elke Scherwinsky ist viel im Einsatz für die Neuankömmlinge in Bad Bevensen. Sie sagt: „Integration fängt wirklich jetzt erst an.“

Bad Bevensen. „Das macht mich stolz. “ Klatsch! Elke Scherwinsky haut mit der flachen Rechten auf den Küchentisch. Stolz, dass mit ihrer Unterstützung vier geflüchtete Männer in Uelzen einen Schulabschluss erlangen konnten.

Feine Lachfältchen umspielen die blauen Augen der 66-Jährigen. Da hat sie nach 30 Minuten im Gespräch mit der AZ das erste Mal von sich – und nicht den anderen – gesprochen, die sich seit Herbst 2015 als Helferkreis für die Männer, die bis vor Kurzem noch in der Villa im Park in Bad Bevensen lebten, einsetzen. „Wir helfen...“, „Du kannst...“, „auch die anderen...“ Das „Ich“ hat in den Erzählungen der bescheidenen Frau mit den violetten Haaren keinen Platz.

Dabei ist auch sie es, die viele Migranten zu Arztterminen und Behörden begleitet, lange Sprachkurse für sie in der Kurstadt organisierte und auch sonst für all ihre Fragen und Sorgen ein offenes Ohr hat. Darum gehört sie zu den Nominierten bei „Mensch 2017“.

Die AZ und die Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg zeichnen zusammen mit dem Volkswagenzentrum Uelzen als Partner wieder Ehrenamtliche aus. Bis einschließlich Montag, 22. Januar, können die AZ-Leser ihre Stimme für ihren persönlichen Menschen 2017 abgeben – nur mit Original-Coupons aus der AZ. E-Paper-Kunden können aber auch mit einem Ausdruck des Coupons teilnehmen, wenn sie darauf ihre Kunden-Nummer eintragen.

„Neuankömmlinge“. Das ist das Wort, das Elke Scherwinsky benutzt, wenn andere von Flüchtlingen sprechen – jetzt, wo viele von ihnen in Deutschland Fuß fassen. Die meisten ihrer Schützlinge haben inzwischen eine eigene Wohnung, Job oder Ausbildung. Und dennoch stellt sie klar: „Integration fängt wirklich jetzt erst an. Jetzt, wo sie raus sind aus der Villa, brauchen sie eine ganz andere Art der Unterstützung.“ Im täglichen Leben und bei der Arbeit gelte es nun, offen aufein- ander zuzugehen. Darum steckt die pensionierte Pädagogin gerade mitten in den Planungen für einen „Männertreff“, in dem Fragen und Probleme des Alltags Raum finden können. Die Bandbreite möglicher Themen ist groß.

Die Bad Bevenserin investiert viel Zeit in ihr ehrenamtliches Engagement. Der Bevenser Kreis der Flüchtlingshelfer berichtet, dass die Bevenserin mit „großer Energie“ sich für Integration von Migranten einsetzt, und findet das auszeichnungswürdig. So hat der Helfer- kreis auch die 66-Jährige für Mensch 2017 vorgeschlagen.

Früher war Elke Scherwinsky Lehrerin, dann Gleichstellungsbeauftragte bei der Landesschulbehörde in Lüneburg. An den Wänden hängen Fotocollagen von Kindern und Enkeln, auf dem Tisch liegt eine Schrift der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), in der sich die Jastorferin engagiert.

Politische Entscheidungen werden in dieser Küche kritisch hinterfragt – und lassen Elke Scherwinsky manchmal wütend zurück. „Aber wenn du hier sitzt und weinst, kannst du nichts tun“, sagt sie – und bringt sich lieber aktiv ein, denn: „Alles, was in deinem Kopf sonst herumschwirrt, kannst du einsetzen und du kriegst es wieder zurück. Das ist perfekt!“

Von Anna Petersen

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