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Seit 13 Jahren pflegt Cordula Kellner in Jelmstorf kranke und verletzte Igel

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Von: Theresa Brand

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Igelhilfe Lüneburger Heide
Bei der Igelhilfe Lüneburger Heide in Jelmstorf versorgt Cordula Kellner kranke, verletzte und unterernährte Tiere. © Brand, Theresa

 Seit 13 Jahren nimmt Cordula Kellner in ihrem Haus in Jelmstorf verletzte und kranke Igel auf, um sie gesund zu pflegen. Einige von ihnen können nie wieder in freier Wildbahn leben, weil die Verletzungen zu schwer sind. Die meisten stammen von Mährobotern und Motorsensen, andere Igel sind unterernährt, weil sie nicht mehr genug Nahrung in der Natur finden.

Jelmstorf – Donald hat keine Nase mehr. „Ich vermute, das war eine Motorsense“, sagt Cordula Kellner. „Wir mussten ihn operieren und jetzt hoffen wir, dass er durchkommt“, erzählt die Jelmstorferin und streichelt dem Igel vorsichtig den Bauch. In freier Wildbahn wird er wohl nie wieder leben können, aber Cordula Kellner ist zuversichtlich, dass er irgendwann in das große Freigehege hinter dem Haus einziehen kann. Dort leben die Igel, deren Verletzungen zu massiven Folgeschäden geführt hat. Zur Zeit pflegt Kellner, die die „Igelhilfe Lüneburger Heide“ ins Leben gerufen hat, zwölf Igel. Die meisten von ihnen haben schwere Verstümmelungen durch Mähroboter und Motorsensen erlitten. „Es werden immer mehr“, sagt Cordula Kellner.

Mähroboter nie unbeaufsichtigt lassen


Igeldame Inga wurde mit einem Schnitt durch den ganzen Bauchraum abgegeben. Auch sie musste schon mehrfach operiert werden, nun spülen die ehrenamtlichen Helfer täglich die Wunde, damit sie sich nicht infiziert. Das Problem sei, dass viele Menschen an den Rasenrändern mit elektrischen Geräten die Kanten mähen würden, ohne vorher unter Büsche und Sträucher zu schauen, berichtet Cordula Kellner. Doch genau dort halten sich die Igel tagsüber versteckt – außer, sie gehen auf Nahrungs- oder Wassersuche. Und dabei treffen sie dann auf Mähroboter. „Man sollte diese Geräte nur tagsüber und auch nie unbeaufsichtigt lassen“, sagt die Igel-Expertin mit Nachdruck. Außerdem sollte vor dem Mähen der Ränder auf immer unter die angrenzenden Büsche geschaut werden.

Igel finden weniger Insekten zu fressen


Nicht alle Igel, die bei der Igel-Nothilfe abgegeben werden, sind verletzt. Viele sind unterernährt, zur Zeit auch dehydriert, weil sie kaum noch Wasser finden. Cordula Kellner erklärt: „Dadurch, dass es weniger Insekten gibt, finden die Igel das ganze Jahr über weniger zu fressen“. Für den Nachwuchs wird es lebensgefährlich, wenn die Mutter nicht zurückkommt, weil sie zum Beispiel verletzt oder überfahren wurde. Die Igel-Expertin empfiehlt, Igelbabys eine Weile zu beobachten. Kommt die Mutter nicht zurück, sind die Kleinen auf Hilfe angewiesen. Als Orientierungshilfe sagt sie, könne man sich ein Stück Butter vorstellen: Ist ein Igel kleiner als ein halbes Stück, kann er allein nicht überleben.

Unterernährung, die teilweise auch durch Krankheiten oder Wurmbefall ausgelöst werde, sei zum Winter hin lebensgefährlich. „Igel bereiten sich eigentlich die ganze Zeit auf den Winterschlaf vor. Deswegen heißt es für sie essen, essen, essen“, erklärt Cordula Kellner. Einige Igel überwintern bei ihr, weil sie die lange Zeit ohne Nahrung im Winter sonst nicht schaffen würden. Sie rät dazu, ganzjährig Futter für Igel bereitzustellen – aber keine Milch, denn Igel vertragen keinen Milchzucker. Auch Schnecken fressen die Tiere nicht.

Die Expertin empfiehlt:

• Am Abend Pastetenfutter und frisches Wasser für Igel in den Garten stellen.

• Ein Brett als Ausstiegshilfe in Teichen und Kellerfensterschächten bereitlegen.

• Gelbe Säcke hochhängen, da die Tiere sonst hineinkriechen und nicht mehr herausfinden.

• Sich mit Fundtieren an Experten wenden.

Info: www.igelhilfe-lueneburger-heide.de.

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