Rege Diskussion beim Wohnzimmergespräch zum Stadtbild / Feller nimmt viele Anregungen auf

Ideensuche gegen den Leerstand

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Von Leerständen und Baudenkmälern bis zur Wochenmarkt-Ordnung: Bad Bevensens Bürgermeister Martin Feller (links) diskutierte mit rund einem Dutzend Bürgern über aktuelle Themen, die das Stadtbild betreffen. 

Bad Bevensen. Am Ende der zwei Stunden steckte Martin Feller drei dicht beschrieben Zettel in seine Tasche.

Zwei Stunden lang hat Bad Bevensens Bürgermeister am Donnerstagabend beim jüngsten Termin in seiner Reihe der Wohnzimmergespräche mit einem Dutzend Einwohner diskutiert. Und zwar über das Stadtbild mit seinen Problemen und Chancen. Und die Beteiligten gaben Feller zahlreiche Anregungen mit auf den Weg, die sie zumindest erörternswert finden.

Eine sogenannte Nichtbelegungsgebühr gehört dazu. „Wir haben lange nach einem Atelier in der Stadt gesucht“, schildert einer der Wohnzimmerbesucher bei Gastgeber Christoph F. Zülch am Krummen Arm. „Und wir sind immer wieder auf Objekte gestoßen, die man nicht vermieten will.“ Aus Travemünde kenne der Mann besagte Gebühr, die jene bezahlen müssten, die ihre Immobilien schlichtweg leerstehen lassen wollten, was aber dem Stadtbild nicht zuträglich sei.

Die Diskussion nimmt sofort an Fahrt auf, denn Wilhelm Bünde hält davon überhaupt nichts. „Man sollte lieber Anreize schaffen, damit Leute ein Geschäft aufmachen“, findet der Unternehmer. Dem stimmt die Frau des Gastgebers, Bettina Runge, zu: Unternehmer sollten eher für eine gewisse Startphase finanziell entlastet werden.

Martin Feller berichtet, dass die Stadtpolitik die Einführung eines Leerstandskatasters beschlossen habe und selbiges nun angeschoben werde. „Und das ist eine relativ umfängliche Sache.“ Außerdem werde das Stadtentwicklungskonzept fortgeschrieben und gerade bei Beherbergungsbetrieben in der Stadt abgefragt, wer investieren wolle, wer das bereits getan hat oder wer den Betrieb aufgeben möchte.

Beim Thema Leerstände kommt die Runde auch um eine Debatte über den aserbaidschanischen Investor nicht herum. Der hat, wie mehrfach berichtet, diverse Objekte, darunter Hotels, gekauft, die nun leer stehen. Bürgermeister Feller betont allerdings entgegen anderslautender Mutmaßungen an diesem Abend: „Ich habe nicht den Eindruck von Geldwäsche oder irgendwelcher krimineller Machenschaften, sondern dass der Investor die Häuser auch betreiben möchte. Aber er stellt es ungeschickt an...“

Feller selbst sei mit dem Mann ständig im Gespräch – vor allem, um einen Kauf der ehemaligen Diabetes-Klinik in trockene Tücher zu bekommen. Und die Stadt stelle nicht nur dem Aserbaidschaner, sondern auch allen Hoteliers, die es wünschen, eine Beraterfirma an die Seite.

Zahlreiche Themen reihen sich an diesem Abend aneinander: eine bessere Ordnung für den Wochenmarkt wird gefordert, Sitzgelegenheiten auf dem Kirchplatz und der Vollanschluss der Stadt an den HVV. Es wird nach den Befugnissen des Bauamtsleiters gefragt, nach Plänen für die Beneckewiese, und Alfred Berg, Architekt des Fachwerkhauses am einstigen Hotel „Vier Linden“ in Medingen, beklagt eindringlich den bevorstehenden Abriss des Objekts und warnt, dass Medingen damit „sein Gesicht verlieren“ werde. Doch sowohl der Bausachverständige Christoph F. Zülch als auch Manfred Preuß, der verschiedene Bauprojekte in der Stadt realisiert, betonen: Das Haus sei in keinem guten Zustand und eben auch kein schützenswertes Baudenkmal.

Eine Liste eben solcher Denkmäler zu erstellen, sei für Investoren in spe aber durchaus sinnvoll, schlägt Zülch dem Bürgermeister vor. Der schreibt es auf einen seiner drei Zettel. Und noch längst sind an diesem Abend nicht alle Themen besprochen. Doch die Zeit ist fortgeschritten. „Wann machen wir das wieder?“, fragt ein Teilnehmer motiviert. Kopfnicken und Lächeln in der Runde. Es war gewiss nicht das letzte Wohnzimmergespräch dieser Art.

Von Ines Bräutigam

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