Strother Bürger wehren sich gegen Einschränkungen durch neues Landschaftsschutzgebiet

„Ich gebe meine Pferde nicht auf“

Heinrich Adamczyk dürfte auf seiner Weide hinterm Hof nur noch zweieinhalb statt seiner fünf Pferde halten, wenn der Entwurf für das Landschaftsschutzgebiet in Kraft tritt.
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Heinrich Adamczyk dürfte auf seiner Weide hinterm Hof nur noch zweieinhalb statt seiner fünf Pferde halten, wenn der Entwurf für das Landschaftsschutzgebiet in Kraft tritt.

Strothe – In Strothe ist die Welt noch in Ordnung, scheint es. Unter hohen Eichen liegt der Hof von Heinrich Adamczyk. Auf der Weide dahinter grasen fünf Pferde. Sie kommen zutraulich näher. Die Pferde sind das Hobby des Kriminalbeamten.

Friedhelm Mennerich (66) spricht von Enteignung durch die Naturschutzauflagen. fotos: sternitzke

Im nächsten Jahr will er einen kleinen Pensionsstall aufbauen. Doch nun ist die Idylle in Gefahr. Der Landkreis plant ein Landschaftsschutzgebiet. Die vorgesehenen Auflagen bedrohen nicht nur die Pläne des 62-Jährigen, sondern grundsätzlich seine Pferdehaltung. Seit 2007 ist die Weide Teil eines europäischen Flora-Fauna-Habitat-Gebiets (FFH), nun soll es als Landschaftsschutzgebiet Kleingewässerlandschaft zwischen Strothe und Almsstorf festgeschrieben werden. „Ziel ist der Schutz eines wertvollen Amphibienlebensraums – mit bedeutsamen Vorkommen unter anderem des Kammmolchs, des Moorfroschs und des Laubfroschs“, erklärt Landkreis-Sprecher Martin Theine. Ziel sei zudem die Wiederansiedlung der Rotbauchunke, die hier einmal heimisch war.

Gegen den Naturschutz hat Adamczyk auch nichts. Er hat dem Naturschutzbund (Nabu) sogar eine Fläche am Moor zur Verfügung gestellt. Das Landschaftsschutzgebiet bedeutet für ihn jedoch einschneidende Auflagen. So dürfen je Hektar Grünland nur zwei Großvieheinheiten gehalten werden, das wären auf seiner Weide nur noch zweieinhalb von fünf Pferden. Ausweichmöglichkeiten in Hofnähe – die Tiere kommen jeden Abend in den Stall – gibt es nicht.

„Ich werde meine Pferde nicht aufgeben“, kündigt Adamczyk an. Um sich gegen die Eingriffe durch die Untere Naturschutzbehörde zu wehren, hat er sich inzwischen auch einen Anwalt genommen. So dürfte er seine Pferde erst ab Mitte Mai auf die Weide lassen. Und in der Heuernte dürfte er nur noch acht Zentimeter tief mähen. Das aber sei technisch mit den heutigen Kreiselmähwerken gar nicht möglich.

Von Enteignung spricht sein Nachbar Friedhelm Mennerich. Die Grenze des Landschaftsschutzgebiets haben die Verwaltungsmitarbeiter mitten durch sein mit einem Wall eingefriedetes Grundstück gelegt. „Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt. Ich dürfte nicht mal um die Obstbäume herum mähen“, kritisiert der 66-Jährige. Obwohl die Gemeinde Himbergen gerade eine Abrundungssatzung bearbeitet, wären davon auch die Grundstücke betroffen, auf denen sich seine Söhne ein Haus bauen wollen.

Kreis-Sprecher Theine betont, der Landkreis sei zwingend verpflichtet, das FFH-Gebiet zu sichern. „Um einen Schutz der Amphibien zu ermöglichen, sind entsprechende Regelungen notwendig.“ Deshalb werde festgelegt, wann gedüngt und wie tief Gras abgemäht werden darf.

„Im Gebiet liegen nur Grünlandflächen im Außenbereich, keine Gartenflächen“, betont Theine. Beim Umfang gebe es auch wenig Spielraum. „Würden alle ortsnahen Grünlandflächen herausgenommen, wäre das Ziel der Sicherung verfehlt, denn diese sind als Amphibienlebensraum unverzichtbar.“

Mit den betroffenen Eigentümern seien jedoch ausführliche Gespräche geführt worden, berichtet Theine und deutet Kompromissbereitschaft an. „Der Landkreis verfolgt das Ziel, im Rahmen der Abwägung eine nutzerorientierte Lösung zu finden. Dies ist auch in Bezug auf die Anzahl der Weidetiere der Fall.“

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