Bevenser Wahlsieger Martin Feller hat nur zwei Stunden geschlafen / Gespräche mit allen Parteien

Zum Holzhacken keine Zeit

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November 2016: Die Grünen waren von der Wahl ausgeschlossen. Martin Feller gratuliert seiner Nachfolgerin Susanne Lühr-Peschke (CDU). Nun haben die Grünen mit 46 Prozent triumphiert, und Feller will am 12. April wieder Bürgermeister werden.

Bad Bevensen. Tag eins nach der Bevenser Stadtratswahl, die einem Erdbeben gleichkommt. Die Grünen haben in der gerichtlich erzwungenen Wiederholungswahl 46 Prozent der Stimmen erzielt (AZ berichtete), das ist weit mehr als das Ergebnis von CDU und SPD zusammen.

In fünf Wahllokalen holten sie sogar die absolute Mehrheit. Grünen-Spitzenkandidat Martin Feller, von Beruf Bio-Landwirt, hackt gestern Brennholz. Weit kommt er nicht, denn das Telefon klingelt ständig. Die Glückwünsche häufen sich. Auch die Landespartei meldet sich. „Das ist eine Sensation und ein überwältigender Vertrauensbeweis der Bad Bevenser Bürger für die Grünen und für Martin Feller als Person“, findet die grüne Landesvorsitzende Anne Kura.

„Ich hab’ mich tierisch gefreut. Geschlafen habe ich, glaube ich, nur zwei Stunden“, sagt Feller der AZ. „Wir sind jetzt dabei uns zu sortieren.“ 2016 hatte er sich große Hoffnungen gemacht, als Bürgermeister wiedergewählt zu werden. Am 12. April, dem Tag der konstituierenden Sitzung des Stadtrats, dürfte der 54-Jährige die Amtskette wieder von Susanne Lühr-Peschke (CDU) übernehmen. 25 Sitze, zwei mehr als der alte, hat der neue Bevenser Stadtrat, fast die Hälfte (12) und dreimal so viel wie 2011 werden die Grünen einnehmen.

Klar ist aber auch: Sie brauchen für die verbleibenden dreieinhalb Jahre einen Partner. „Wir werden uns mit allen Parteien zusammensetzen“, kündigt Feller an. Mit SPD, FDP und WBB habe er schon am Wahlabend Telefonnummern ausgetauscht. Die größte Nähe besteht zur Wählergemeinschaft Bad Bevensen (WBB), die jedoch nur noch mit einem Sitz im Rat vertreten ist. Der frühere Partner hatte Grüne für Ausschüsse nominiert und gemeinsame Fraktionssitzungen abgehalten. Wie es jetzt weitergeht, bespricht die neu gewählte Grünen-Fraktion heute. Zunächst kündigt Feller an. „Wir werden das ruhig und besonnen angehen.“

Auf jeden Fall werde er wieder die Bürgerinformationen vor wichtigen Ratsentscheidungen einführen, kündigt Feller an. Und eine Lösung zum öffentlichen Nahverkehr in Bevensen müsse her, möglicherweise durch finanzielle Unterstützung eines Bürgerbusses.

Dass die Grünen fast die Hälfte der Sitze im neuen Stadtrat bekommen – im Wahlbüro Jastorf-Schützenhaus erzielten sie fast 58 Prozent – hat mit dem von vielen als ungerecht empfundenen Wahlausschluss wegen einer fehlerhaften Kandidatenliste und mit der Person Feller zu tun. Der Spitzenkandidat, der sich unter anderem bei Bevensen inklusiv engagiert, ist weit über die grüne Wählerschaft hinaus beliebt. Feller selbst vermutet, der Streit im Stadtrat, etwa um den Anbau am evangelischen Kindergarten, habe die anderen Gruppen Stimmen gekostet. Sie müssen teilweise erdrutschartige Verluste hinnehmen.

Dabei könnten die Grünen mit ihrer „Jetzt erst recht“-Kampagne ihre Wählerschaft deutlich besser motiviert haben als die anderen Parteien und Gruppierungen.

Von Gerhard Sternitzke

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