Ganz hartgesottene Kneipp-Anhänger steigen gestern in Bad Bevensen bei null Grad in die Ilmenau

„Da holt man ganz tief Luft...“

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Und los geht’s: Antje Schröder (links) und Irmi von Heyer wagen sich gestern Morgen in die winterlichen Fluten der Ilmenau. 

Bad Bevensen. Mit zunehmenden Schneefall wird die wilde Entschlossenheit dann doch zum mutlosen Zaudern. Der Laie bleibt gestern Morgen lieber in Strümpfen und Schuhen, in denen die Füße schon kalt genug sind. Nicht so Irmi von Heyer und Antje Schröder.

Die beiden Damen gehören zu den hartgesottenen Mitgliedern des Bad Bevenser Kneipp-Vereins. Bei Null Grad Lufttemperatur steigen sie in die eisige Ilmenau.

Das Armbecken an der Sonnenfalle im Kurpark wollen Antje Schröder und Peter Koch künftig in ihre Aktivitäten mit einbeziehen.

„Das Wasser ist gar nicht so kalt, weil es ja fließt“, beteuert Antje Schröder dem zweifelnden Zuschauer. Auch einige sonst aktive Vereinsmitglieder bleiben gestern nur Zaungäste, und manche sind gleich ins Café gegangen, wo sie auf die Wassertreter warten. Antje Schröder aber holt sich lieber den „Kick“, wie sie sagt. „Man sagt intuitiv: ‘herzerfrischend’, wenn man ins Wasser steigt“, schwärmt sie. „Es ist ja ein kleiner Kälteschock, den man erlebt, und da holt man einmal ganz tief Luft...“

Seit den 70er Jahren beherzigt die fast 78-Jährige die Lehre Sebastian Kneipps. Jenes Pfarrers, der die heilende Kraft des Wassers Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckt und bekannt gemacht hat. „Es kostet nichts und tut so gut“, sagt sie. „Man muss es nur tun!“ Sie und ihr Vereinskollege Peter Koch wissen aber auch, dass es viele gibt, die das Kneippen als „Tüdelkram“ abtun. „Was nichts kostet, ist eben nichts wert“, seufzt Koch.

Irmi von Heyer sieht das anders. Sie steigt gestern zum ersten Mal im neuen Jahr in die Ilmenau und hat sich schon darauf gefreut. Ruckzuck schlüpft sie aus der Hose und stakst im Storchengang durchs Wasser. Zwei, drei Minuten, dann geht es barfuß auf den winterlichen Rasen, auf den sich gestern kontinuierlich weiße Flocken legen. „Im Wasser ist es wärmer“, sind sich Irmi von Heyer und Antje Schröder einig, während sich ihre Beine von den Knien abwärts allmählich rot färben und Gänsehaut entwickeln.

Ein zweiter Kneippgang noch, dann soll es erstmal gut sein. Die Füße werden vom Schlamm des Flusses befreit und abgetrocknet. Socken an, Schuhe drüber und jetzt: „Bewegen!“ sagt Antje Schröder. Die vom kalten Wasser zusammengezogenen Gefäße müssen sich wieder weiten und das Blut durch den Körper sausen lassen.

An jedem ersten und dritten Montag eines Monats treffen sich die Bevenser Kneippianer an der Wassertretstelle im Kurpark. Dieses Jahr wollen sie auch das Armbecken an der Sonnenfalle in ihre Aktivitäten einbeziehen und damit Interessierte zum Kneippen animieren. Und vielleicht findet sich so auch Nachwuchs für den Verein. „Der ist schwer zu finden“, bedauert Antje Schröder. Obwohl es im Landkreis Uelzen immerhin einen zertifizierten Kneipp-Kindergarten in Eimke gibt.

Inzwischen sind die Kneippianer gestern nach dem Wassertreten auf dem Weg zum Kaffeetrinken. Wie geht’s den Füßen? „Heiß!“, sagt Irmi von Heyer. „Leben noch“, schmunzelt Antje Schröder. Ihre Vereinskollegen haben es im Café schön kuschelig. Im Sommer werden auch sie wieder in die Ilmenau steigen. Kneippen bei null Grad, das ist nur was für Hartgesottene wie Antje Schröder und Irmi von Heyer.

• Kontakt zum Verein: www.kneippverein-bad-bevensen.de

Von Ines Bräutigam

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