Bürgermeister schreibt an Ministerpräsident und Abgeordnete an den Bund

Wölfe in Brockhimbergen: Hinrichs bittet Weil um Hilfe

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Am frühen Morgen des 9. Dezember rissen Wölfe auf einer Weide in Brockhimbergen 20 Damwild-Tiere – nur wenige Meter von Wohnhäusern entfernt.

Brockhimbergen/Himbergen. Seitdem Wölfe am 9. Dezember 20 Tiere einer Damwild-Herde in Brockhimbergen getötet haben, herrscht Unruhe und Verunsicherung in der Gemeinde Himbergen.

Bürgermeister Jürgen Hinrichs (SPD) will dem nicht tatenlos zusehen und hat jetzt Niedersachsens Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) in einem offenen Brief zum Handeln aufgefordert.

Jürgen Hinrichs

„Es ist zu befürchten, dass sich derartige Vorfälle wiederholen“,schreibt Hinrichs nach Hannover. „Seit jenem Freitag werden nämlich allabendlich in unmittelbarer Nähe des Brockhimberger Geheges wieder Wölfe gesichtet, die von erneuten Attacken nur abgehalten werden konnten, weil engagierte Bürger freiwillig die Herde bei Dunkelheit bewachen.“ In der Bevölkerung wachse die Angst vor Wölfen, „die offensichtlich keine oder immer weniger Scheu vor Menschen haben und auffällig werden“, so Hinrichs. „Demzufolge unterbleiben zunehmend Spaziergänge oder Ausritte in unsere waldreiche Umgebung. Die Kinder der hiesigen Kindertagesstätte müssen auf ihren Waldtag verzichten.“ Mehr noch: „Abgesehen von den wirtschaftlichen Schäden für Weidetierhalter drohen erhebliche Einbußen im Tourismus- und Gesundheitsbereich, der auch für viele Einwohner unserer Gemeinde als Arbeitgeber wichtig ist. Dies darf kein Dauerzustand sein beziehungsweise werden.“

Himbergens Bürgermeister habe von seinem Gemeinderat den Auftrag erhalten, sich direkt an den Ministerpräsidenten zu wenden. „Mit der Bitte, Ihren Einfluss dahin geltend zu machen, dass schnellstmöglich geeignete Maßnahmen gegen gefährliche Wölfe getroffen werden, damit die Menschen und die von ihnen betreuten Tiere hier vor Ort, aber auch in den übrigen betroffenen Regionen hinreichend geschützt sind“, schreibt er. Unterdessen ist auch die Lüneburger Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers (SPD) aktiv geworden. „Ich habe Bundesumweltministerin Hendricks angeschrieben und sie um Prüfung gebeten, in welchem Erhaltungszustand sich die deutsch-polnische Wolfspopulation mittlerweile befinde“, schreibt sie der AZ. Es sei jetzt an der Zeit zu prüfen, ob die Population nicht doch schon stabil sei und inwie weit sie mit der baltischen und ostpolnischen Population in genetischem Austausch stehe.

Zum Hintergrund: Erst wenn es eine genetisch gesicherte Population gibt, könnte der Wolf auch aus dem Anhang IV der FFH-Richtlinie als streng geschützte Art herausgenommen werden. Eine angemessene Regulierung wäre dann möglich. „Bis dahin müssen die bestehenden Möglichkeiten zum Schutz schneller zur Verfügung gestellt und intensiv genutzt werden“, fordert Andrea Schröder-Ehlers. „Wölfe, die nachweisbar eine ganz besondere Gefahr darstellen, müssen auch eingefangen oder notfalls auch getötet werden.“

Von Ines Bräutigam

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