Offener Brief an den Umweltminister / Grüne legen Entwurf für Resolution vor

Hilfe für Weidetierhalter

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Getötetes Damwild in Brockhimbergen. Die Weidetierhalter stellen klare Forderungen an den Umweltminister.

Rätzlingen/Bad Bevensen. Die Enttäuschung der Weidetierhalter über das Gespräch mit Umweltminister Stefan Wenzel in Sachen Wolf hallt nach. Gestern hat Vorsitzender Rudolf Michaelis aus Rätzlingen einen offenen Brief an den Grünen-Politiker geschrieben.

„Noch fordert niemand die erneute Ausrottung des Wolfes. Doch für ein friedliches Miteinander und eine Akzeptanz der neuen Situation müssen folgende Voraussetzungen verfüllt sein“, leitet Michaelis seine Forderungen ein. So verlangt die Interessengemeinschaft der Weidetierhalter Nordost-Niedersachsen eine zeitnahe Entschädigung des vollen Marktwerts gerissener Tiere. „Bei Wolfsrissen muss die Beweislast beim Land liegen und nicht bei den Geschädigten, denn schließlich wünscht das Land die Wiedereingliederung des Wolfs“, argumentiert Michaelis. Staatliche Förster sollten Wölfe aktiv vergrämen – „damit Wölfe erfahren, dass Menschen und Nutztiere nicht zu ihrem Beutebild gehören.“

Auch die Grünen im Landkreis wollen sich an den Minister wenden. Sie haben eine Resolution für den Kreistag vorgeschlagen, die am Dienstag im Umweltausschuss beraten wird. Das Bevenser Kreistagsmitglied Martin Feller macht deutlich, dass die Weidetierhalter Unterstützung brauchen. „Es muss eine Taskforce geben, die im Notfall die Tiere an einen anderen Platz bringt“, fordert Feller. Wölfe sollen gefangen und besendert werden. Fachleute zum Fangen und Vergrämen sollen ausgebildet werden.

Schnelle Eingreiftruppe Wolf

Von einem Umdenken will Martin Feller nicht sprechen. Aber seitdem Wölfe in der Region immer häufiger Weidetiere reißen – zuletzt 20 Stück Damwild in einem Gehege bei Brockhimbergen – hat sich der Bevenser Grünen-Politiker intensiv mit dem Raubtier beschäftigt. Und er hat sich gemeinsam mit dem Landtagsabgeordneten Heiner Scholing dem Gespräch mit den Weidetierhaltern gestellt. In einem Antrag für eine Resolution des Kreistags an den Niedersächsischen Umweltminister versuchen sie, Folgerungen zu ziehen, ohne den strengen Schutz für den Wolf aufzuweichen. Er wird am Dienstag, 31. Januar, ab 16.30 Uhr im Umweltausschuss im Kreishaus beraten. 

Klar ist für Feller: Einfach den Wolf ins Jagdrecht aufnehmen, wie von der FDP beantragt, das geht nicht. Denn es sei erst einmal gar nicht leicht herauszufinden, welches Tier ein Problemwolf ist, der im Notfall auch getötet werden könnte. „Anhand der Sichtungen kann man nur sehen, ob Wölfe vorkommen und wie oft, aber identifizieren kann man nicht“, betont Feller. Der Abschuss eines Alttiers könne sogar fatal sein, da die Jungtiere von ihren Eltern lernen, was als Beute taugt und was nicht. An einem Elektrozaun etwa sollten diese die Erfahrung machen, dass Weidevieh nicht in Frage kommt. 

Stattdessen greifen die Grünen einen Vorschlag des Bevenser Wolfsbeauftragten Klaus Bullerjahn auf: Wölfe sollen in Lebendfallen gefangen, betäubt und mit einem Sender versehen werden. „Es gibt für Wölfe keine schlimmere Vergrämungsmaßnahme, als wenn sie gefangen werden“, sagt der Biobauer. Durch die Sender erfahre man mehr über das Verhalten der Rudel und könne Problemwölfe in den Fokus nehmen. Für die Besenderung und Vergrämung sollen Fachleute ausgebildet werden. „Wir müssen Vergrämer in der Region haben, die nicht erst eingeflogen werden müssen“, so Feller.

Wichtig sind den Grünen Maßnahmen, die den geplagten Weidetierhaltern konkrete Entlastung bringen. Entschädigungszahlungen sollen unbürokratischer gestaltet werden, auch Hobbyweidehalter Fördermittel für wolfssichere Zäune erhalten. Für Übergriffe auf Weidetiere soll es Notfallpläne und eine 24-Stunden-Erreichbarkeit in der Region geben. Wenn es einen Angriff gab, soll es für die Betroffenen konkrete Hilfe beim Zaunbau, beim Verlegen der Herde und vorübergehend Herdenschutzhunde geben.

Eines steht für die Grünen fest: „Die Sicherheit des Menschen hat oberste Priorität.“ Zum Menschen müsse der Wolf Distanz halten, sagt Feller: „Wenn nicht, dann wird er erschossen, ist doch klar.“

Von Gerhard Sternitzke

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