Klassifizierung der Jod-Sole: Stadtdirektor Kammer ist optimistisch

„Flüssiges Gold“ in Gefahr?

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Die Jod-Sole gibt nicht nur der Bad Bevenser Therme ihren Namen, sie ist eine Säule des Stadtmarketings.

Bad Bevensen. „Ich möchte das Schreckgespenst nicht an die Wand malen, aber Ihre Sorgen sind berechtigt“, sagte Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) und bestätigte damit Befürchtungen, die derzeit in Bad Bevensen die Runde machen.

Der Status der Bad Bevenser Sole wird angezweifelt – und zwar vom Sozial- und Umweltministerium. Das hat nämlich – auf Grundlage eines EU-Gesetzes – Kurstädte in ganz Niedersachsen durch die zuständige Gewerbeaufsichtsbehörde dazu aufgefordert ihre Herstellungserlaubnis für ihre Heilmittel zurückzugeben – ein entsprechender Bescheid ging auch bei der Bad Bevenser Kurgesellschaft ein (AZ berichtete).

Der Grund für das Aktivwerden der Behörden: Das EU-Recht sieht vor, dass Heilmittel nicht wie bisher als Arzneimittel, sondern künftig als Medizinprodukt eingestuft werden. Diese Änderung in der Klassifizierung hätte unter anderem Auswirkungen auf Vermarktung und Nutzung der Bad Bevenser Jod-Sole. „Die Jod-Sole-Qualitätsuntersuchung ist nicht dienlich“, wies Dr. Günter Graf, der für die CDU ein Mandat im Bad Bevenser Stadtrat erfüllt und als Arzt Teil des Medizinischen Versorgungszentrums ist, moderat auf die negativen Folgen einer neuen Klassifizierung für den Kurort hin. Wirtschaftsminister Lies sagte zu, das Thema im Sozialministerium anzusprechen. Bad Bevensens Stadtdirektor Hans-Jürgen Kammer zog nach Gesprächen mit dem Wirtschaftsminister ein vorsichtig positives Fazit: „Ich gehe davon aus, dass wir da Bewegung erwirkt haben“, erklärte er auf Nachfrage der AZ. „Wir haben noch einmal auf die Dramatik hingewiesen, was wäre, wenn wir nicht mehr mit der Sole werben dürfen.“ Würde die Sole neu klassifiziert, kämen Kosten in noch nicht absehbarer Höhe auf die Kurstadt zu. Zudem dürfte sie nicht mehr in dem bisherigen Maße mit der medizinischen Wirkung des Produktes werden, wie es derzeit der Fall ist. Das jodhaltige Sole ist eine grundlegende Säule des Stadtmarketings Bad Bevensens.

Zum Hintergrund: Die Kurgesellschaft hat gegen den Bescheid des Gewerbeaufsichtsamtes Lüneburg, in sie dazu aufgefordert wird, ihre Herstellererlaubnis für die Sole zurückzugeben, vorerst Widerspruch eingelegt. Ein Gutachten, das das Institut für Balneologie und Medizinische Klimatologie der Medizinischen Hochschule Hannover im Auftrag der Bad Bevensener Kurgesellschaft für 3500 Euro erstellt hat, soll die Bedeutung der Bad Bevenser Jod-Sole als Arzneimittel beweisen.

Von Wiebke Brütt

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