Benjamin Schwarz kämpft mit Folgen des Feuers und Auflagen des Kreises

Heideblüte ohne Kutschfahrten

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Mitten in der Hauptsaison herrscht Stillstand auf dem Hof am Sirachsberg. Die Kaltblüter-Pferde stehen auf der Weide. Der Landkreis fordert Unterlagen und kündigt Überprüfungen an.

Bad Bevensen – Die Heide hat ihr schönstes Kleid angezogen. Millionen kleiner Blüten färben die Klein Bünstorfer Heide lila – genau so, wie es die Besucher in der Lüneburger Heide erwarten.

Ein Spaziergang oder eine Kutschfahrt auf der Fläche zwischen Ilmenau und Kanal gehört für Bevensen-Besucher zum Programm. In diesem Jahr fällt der obligatorische Heide-Ausflug hoch auf dem Wagen jedoch ausgerechnet im Hauptblütemonat August aus. Der Landkreis hat Benjamin Schwarz den Kutschbetrieb vorübergehend untersagt.

Der Kutscher, der nach eigenen Angaben seit seinem 18. Lebensjahr auf dem Kutschbock sitzt, ist zur Untätigkeit verdammt. Seine Kaltblüter warten mitten in der Hauptsaison dösend auf der Weide. Die Kutschen stehen nutzlos auf dem Hof am Sirachsberg herum. Die Auflage aus dem Veterinäramt hat ihn genauso schwer getroffen wie der Brand Ende Juni.

Wie der Landkreis bestätigt, hat das Veterinäramt den Kutschbetrieb am 18. Juli untersagt. Dabei geht es um fehlende Unterlagen. „Da dem Veterinäramt nach der Betriebsübernahme durch den jetzigen Betriebsinhaber kein für einen Kutschfahrbetrieb erforderlicher vollständiger Antrag nach Paragraf elf Tierschutzgesetz vorlag, wurde dem Betriebsinhaber seitens des Fachamtes ein solcher Betrieb untersagt“, teilt Kreis-Sprecher Martin Theine auf AZ-Anfrage mit und ergänzt: „Das Verbot des Kutschfahrbetriebes gilt, bis dem Veterinäramt ein entsprechender Antrag mit allen erforderlichen Unterlagen vorliegt und das Fachamt in diesem Zuge alle entsprechenden tierschutzrechtlichen Überprüfungen sowie Überprüfungen der eingesetzten Kutschen durchgeführt hat.“ Bisher seien nicht alle notwendigen Antragsunterlagen eingegangen.

Schwarz betont: „Mit 18 hab’ ich den Kutschführerschein gemacht. Ich habe mehrere Prüfungen in verschiedenen Bundesländern abgelegt. Das Veterinäramt kennt mich.“ Nun müsse er Probe fahren und sogar ein polizeiliches Führungszeugnis einreichen. „Und solange ist Stillstand.“ Stillstand heißt: keine Einnahmen.

Dazu kommen die Folgen des Brandes Ende Juni, bei dem Teile von Stallungen und Schuppen brannten. Ein Sachschaden von 50 000 Euro entstand. Damit nicht genug, wurde Schwarz nach eigenen Angaben fristlos gekündigt. Nun müsse er auch noch nach einer neuen Unterkunft für die Pferde suchen. „Da ich keine Einnahmen habe, ist das Budget mehr als eingeschränkt“, sagt Schwarz.

Bereits unmittelbar nach dem Feuer sprach die Polizei von Brandstiftung. Eine 46-jährige, stark alkoholisierte, „verwirrte“ Frau wurde für eine Nacht in Gewahrsam genommen. „Wir gehen mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass diese Person die Brandstiftung begangen hat“, bestätigt Polizei-Sprecher Kai Richter.

Benjamin Schwarz hofft, in der übernächsten Woche die Kutschfahrten wieder aufnehmen zu können. Zum Glück blüht die Heide dann auch noch.

VON GERHARD STERNITZKE

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