Panzerballett verzahnt Grooves und bringt „Kling Glöckchen“ in der Speed-Metal-Version

Headbangen mit Köpfchen in Bad Bevensen

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Stolz präsentierte der Verein Vakuum das Kult-Quintett aus Süddeutschland und Österreich. Panzerballett spielt aktuell nur drei Gigs in Norddeutschland.

Bad Bevensen – Wer das Konzert von „Panzerballett“ am Mittwochabend verpasst hat, wird wohl nie erfahren, was „verzahnte Grooves“ sind und warum sie im Kurhaus Bad Bevensen Hall-Fahnen bilden.

Zugegeben, für Menschen, die einfach gute, handgemachte Musik hören wollen, ist das auch keine entscheidende Information.

Der Frontmann des Panzerballetts: Jan Zehrfeld.

Entscheidender ist die Tatsache, dass die fünf Jungs um Jan Zehrfeld nicht nur wunderbar in Worte fassen können, was sie tun, sondern ausgeklügelte Arrangements umzusetzen wissen. Jedes einzelne Bandmitglied trägt mit langen Solo-Elementen und im präzisen Zusammenspiel zum ganz eigenen Sound der Band bei.

In ihrer mittlerweile 15-jährigen Geschichte haben sie den gängigen Ablauf von Strophe-Chorus-Strophe hinter sich gelassen und setzen sich mit scheinbarer Leichtigkeit über Genregrenzen hinweg. „Headbangen mit Köpfchen“ nennt das Zehrfeld. Der Zuhörer sitzt gedanklich gerade noch bei entspannten Saxofon-Tönen in einer Bar am Ende der Welt, da fliegt Sekunden später treibender Gitarrensound durch die Konzerthalle.

Panzerballett macht sich Jazzgrößen wie Klaus Doldinger, bekannt aus „Das Boot“ und „Tatort“, zu eigen, komponiert mit Smoke on the water auch mal eben das wohl bekannteste Riff der Welt um und spielt Kling Glöckchen Kling in der Speed-Metal-Version, während das Thermometer draußen 30 Grad anzeigt.

Zwar mögen Hitze und Ferienzeit dazu beigetragen haben, dass sich der Kurhaussaal nur knapp zur Hälfe füllte und die Band zwischen festen Stuhlreihen und Blumenschmuck etwas deplatziert wirkte. Das tat aber weder dem Sound noch der Stimmung Abbruch. Die Fans feierten bereits die Vorband „Freakoutfamily“ sowie deren Comeback nach zehn Jahren Spielpause angemessen. Sicher ein Gewinn für die regionale Musikszene – mit ehrlichem Bluesrock und Männern, die Songs für ihre Frauen schreiben, um damit Babylon zu erobern.

Und da es an diesem Abend irgendwie um Verzahnungen ging: Chris Thornton Jr., Gitarrist von Freakoutfamily, hat mit Jan Zehrfeld früher einmal beim Circus Roncalli in München in Hemd und Anzug als Begleitung für Dinner-Events gespielt. Und freut sich seither jährlich über einen Gruß per Email in Form von selbst komponierten und etwas freakigen Weihnachtsliedern.

VON JANIN THIES

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