Kneipp-Verein Bad Bevensen will Naturheilkunde im Kurort wieder an vorderste Front bringen

Der harte Kern greift an

Bei Wind und Wetter treffen sich Mitglieder des Kneipp-Vereins Bad Bevensen wie Irmi von Heyer (re.) und Antje Schröder am Wasser-Tretbecken im Kurpark, um sich mit Wassertreten fit zu halten. Foto: Hackenberg
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Bei Wind und Wetter treffen sich Mitglieder des Kneipp-Vereins Bad Bevensen wie Irmi von Heyer (re.) und Antje Schröder am Wasser-Tretbecken im Kurpark, um sich mit Wassertreten fit zu halten.

Bad Bevensen. Wassertemperaturen um die sechs Grad, Nebel, und Nieselregen – während die meisten es sich auf dem kuschlig warmen Sofa bequem machen, krempeln die Mitglieder des Kneipp-Vereins Bad Bevensen die Hosenbeine hoch und waten durch das eisige Wasser im Kurpark.

„So kalt ist es heute gar nicht“, animiert Irmi von Heyer die anderen Damen, zu ihr in die Ilmenau zu steigen. Der ungläubige Blick eines vorbeifahrenden Radfahrers ist ihr sicher.

Egal, ob im Sommer oder im Winter, bei Wind und Wetter: Jeden ersten und dritten Montagmorgen im Monat trifft sich der harte Kern des Kneipp-Vereins an der Wassertret-Anlage. „Wir sind eigentlich immer da“, bestätigt Peter Koch, zweiter Vorsitzender. Außer, wenn es stürmt oder gerade Hochwasser ist. Die meisten der 60 Mitglieder kneippen schon viele Jahre.

Es gab eine Zeit, da hatte der Verein über 100 Mitglieder. Doch der Wind hat sich gedreht. „Wir wissen, dass Therme und Wellness die Leuchttürme Bad Bevensens sind“, sagt Peter Koch. „Aber im Kneippen hat der Kurort seinen Ursprung.“ Schon seit 1968 ist Bevensen Kneipp-Kurort. In den vergangenen Jahren habe sich aber der Eindruck verfestigt, dass die Stadt das Wassertreten mit allem, was dazu gehört, eher stiefmütterlich behandelt.

Mit Eröffnung des neuen Kurhauses ist sogar die Kneipp-Seite von der Homepage der Bad Bevensen Marketing GmbH verschwunden. Vor einem Jahr kündigte der Verwaltungsauschuss der Stadt auch noch die Mitgliedschaft im Verband Deutscher Kneippheilbäder und Kneippkurorte (AZ berichtete). Die Stadt hat eine ganz andere Ausrichtung, lautete die eindeutige Begründung des stellvertretenden Stadtdirektors Thomas Fisahn.

„Dabei geht der Trend heute mehr in Richtung Naturheilverfahren“, entgegnet Peter Koch. Etwas Natürlicheres als das Wassertreten kann es laut dem 74-Jährigen gar nicht geben. „Im Prinzip kann überall ohne viel Aufwand gekneippt werden“, erklärt er. Viele Mitglieder treten zu Hause in Badewanne und Dusche Wasser, andere nutzen den Garten zu Eis- oder Tautreten. „Wir tun nicht nur was fürs Immunsystem, sondern stärken auch die Rezeptoren in unseren Füßen und unsere Muskulatur“, so Peter Koch. Indem die Haut gut durchblutet und straffer wird, soll Besenreißern vorgebeugt werden.

Der Verein kümmert sich liebevoll um das 1999 installierte Wasser-Tretbecken im Kurpark, das Eigentum der Stadt ist. „Wenn sich die Leute bei uns beschweren, dass es nicht sauber ist, kommen wir mit der Bürste und schrubben“, bestätigt Gisela Dieken.

Nach dem Kneippen trifft sich der harte Kern – dank vorheriger Bewegung mit warmen Füßen – im Rosen-Café nebenan und schnackt darüber, wie das Kneippen populärer gemacht werden kann. Als nächstes ist im Januar Funktionstraining in der Praxis Steinberg geplant.

Von Sandra Hackenberg

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