Bad Bevensens Stadtmanager spricht über Sinn und Unsinn ganzjähriger Sonntags-Ladenöffnungen

Den Handel nicht kaputt machen

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Das Image der Stadt im Blick: Als Veranstaltungsleiter hat Gerhard Kreutz in den vergangenen Jahren Innenstadtfeste und Kurprogramm ordentlich aufgemischt. Zum Thema verkaufsoffene Sonntage hat er eine differenzierte Meinung.

Jeden Tag bummeln gehen – egal ob Sonn- oder Feiertag. Was für den einen die längst überfällige Erfüllung eines lang gehegten Traumes ist, lässt anderen die Haare zu Berge stehen.

Argumente wurden und werden viele ausgetauscht – von der Wirtschaftsförderung bis hin zum Arbeitnehmerschutz und der Einhaltung der Feiertagsruhe. In Bad Bevensen wird diese Diskussion nun wieder aufgerollt – und zwar vom Verein „Wirtschaft und Tourismus“. Bisher haben die Händler den Zeitraum der sonntäglichen Öffnung auf die Saison von Mai bis Oktober begrenzt, obgleich sie als Gewerbetreibende eines Kurortes ein besonderes Privileg haben: Sie könnten bis auf wenige Einschränkungen nahezu jeden Sonn- und Feiertag öffnen – eine Option, die nun wiederholt auf das Tableau kommt. Im Interview mit AZ-Redakteurin Wiebke Brütt spricht Bad Bevensens Veranstaltungsleiter und Stadtmanager Gerhard Kreutz über das Potenzial der „Einkaufsstadt“ Bad Bevensen, eine ruhelose Arbeitswelt sowie positive und negative Auswirkungen einer ganzjährigen Sonntagsöffnung für Bad Bevensen.

AZ: Die Stadt Bad Bevensen startet im Mai wieder in die Saison. Von nun an wird in der Innenstadt bis Oktober wieder jeden Sonntag geöffnet. Was zeichnet die Einkaufsstadt Bad Bevensen aus Ihrer Sicht aus?

Gerhard Kreutz: Bad Bevensen ist eine kleine Stadt mit viel Grün und Möglichkeiten zum Flanieren. Man kann hier zur Ruhe kommen und genau diesen Charakter versuchen wir auch in unseren Veranstaltungen aufzugreifen. Die LandArt, das Heidekartoffelfest – das sind alles keine lauten, sondern ruhige Feste. Das Stadtfest ist da eine Ausnahme. Und dieser Charakter der Stadt zeigt sich natürlich auch in den Geschäften. Wir haben hier kleine Geschäfte, in denen es nicht um Massenabfertigung geht. Die Verkäufer beraten ihre Kunden und haben auch ein paar Worte und ein Lächeln über das Verkaufsgespräch hinaus für die Kunden übrig.

Was halten Sie von der Idee, das Zeitfenster der Sonntagsöffnungen auszuweiten?

Ich sehe das skeptisch. In Bad Bevensen reden wir von vielen familiengeführten Betrieben. Das heißt, die Arbeitsstunden verteilen sich meistens auf wenige Schultern. Man merkt am Ende der Saison den Einzelhändlern schon an, dass nach diesen Monaten, in denen sie teilweise durchgängig sieben Tage die Woche auf hatten, die Kräfte nachlassen.

Anstatt auch im Winter jeden Sonntag zu öffnen, könnte ich mir eher vorstellen, dass wir ab Frühlingsbeginn, also März beziehungsweise April, aufmachen.

Grundsätzlich haben die Händler der Kurstadt doch die Möglichkeit, fast jeden Sonn- beziehungsweise Feiertag im Jahr die Läden zu öffnen.

Ja, das stimmt. Ausgenommen ist die Totenwoche bis zum 15. Dezember und die Feiertage, die auf einen Montag fallen.

Einige Geschäfte entscheiden sich auch außerhalb der Saison dazu, zu öffnen. Von Mai bis Oktober bewerben wir die verkaufsoffenen Sonntage aber ausführlich. Dann organisieren wir von der Bad Bevensen Marketing GmbH aus zusätzliche Aktionen. Außerdem öffnen die Läden zu besonderen Anlässen, wie dem Weihnachtsmarkt und dem Frühjahrsmarkt. Rein theoretisch könnten die Händler aber fast jeden Sonntag öffnen, das ist richtig.

Halten Sie es denn für sinnvoll, den Winter komplett sonntags zu öffnen? Für die Gäste der Kurstadt würde es ja schon mehr Planungssicherheit bringen – heute müssen sie sich außerhalb der Saison überraschen lassen, ob sie in der Innenstadt mehr machen können als Kaffeetrinken.

Grundsätzlich kann ja jeder öffnen, wenn er möchte. Aber man muss immer im Hinterkopf behalten, dass sich das auch lohnen muss. Man muss schon sehr viel Aufwand betreiben, um die Leute am Sonntag in eine Stadt wie Bad Bevensen zu locken. Die Werbung kostet Geld und auch zusätzliche Aktionen bedeuten zeitlichen und finanziellen Aufwand.

Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Wir haben hier in Bad Bevensen einen guten Einzelhandel für die Größe der Stadt. Und wir müssen sehen, dass man den nicht kaputt macht.

Eine Idee, die während der vergangenen Sitzung des Vereins „Wirtschaft und Tourismus“ ins Spiel gebracht worden ist, ist folgende: Es hieß, durch eine ganzjährige Sonntagsöffnung könnte Bad Bevensen eventuell Hamburger, die Lust haben, am Wochenende einzukaufen, anlocken – immerhin wurden die Seebäder und Kurorte Schleswig-Holsteins gerade hinsichtlich der Feiertagsöffnungszeiten eingeschränkt. Halten Sie dieses Szenario für realistisch?

Ich denke, die Großstädter werden nicht nur des Shoppings wegen kommen. Man müsste ein neues Programm auflegen. Unsere Aktionen wie „Jazz im Städtchen“, „LandArt“ und „Antik- und Trödelmeile“ sind schön für die Saison. Aber um verstärkt Hamburger nach Bad Bevensen zu holen, müssten wir noch etwas anderes auf die Beine stellen. Das ist ein anderes Zielpublikum.

Könnten durch eine Ausweitung der Sonntagsöffnungszeiten denn überhaupt neue Zielgruppen für Bad Bevensen erschlossen werden?

Ich glaube, das funktioniert nur in der Kombination. Ein Publikum 50-Plus kann man nur über Vermarktung nach Bad Bevensen holen.

Und warum ist die Winteröffnung nichts für das Publikum, dass derzeit in den Sommermonaten in Bad Bevensen einkauft?

Nach Bad Bevensen kommen noch immer vor allem ältere Menschen. Und die gehen bei schlechtem Wetter nicht gerne aus dem Haus. Das sehen wir alleine schon an der Therme. Wenn im Winter morgens im Radio Eisregen angekündigt wird, sinken die Besucherzahlen. Und bei den Konzerten macht sich das auch bemerkbar: Bei Schnee und Eis lassen einige sogar zuvor gekaufte Karte verfallen – aus Angst.

Um mehr Personen nach Bad Bevensen zu holen, müsste man in diesen Zeiten etwas ganz Besonderes bieten.

Und eines kommt noch hinzu, da müssen wir uns nichts vormachen: Es ist unrealistisch zu sagen, die Leute kommen am Sonntag nach Bad Bevensen wegen des Shoppens. Wir haben hier kein Outlet-Center oder so. Die Menschen kommen wegen des Gesamtpakets, wegen des Ortes. Der Grund, warum Hamburger am Sonntag nach Timmendorf fahren, ist das Meer. Wer nach Bad Bevensen fährt, freut sich auf einen schönen Tag im kleinen Heidestädtchen. Die Gäste kommen nicht wegen Rossmann, Lidl und Co.

Was halten Sie denn von der Idee, einen festen Sonntag in den Wintermonaten zu öffnen?

Das finde ich heikel. Schließlich weiß man nie, wie das Wetter wird. Bei schlechtem Wetter kommen die Tagestouristen nicht – und von denen sprechen wir hier. Abgesehen davon machen viele Hotels auch im Winter dicht.

Ich halte es eher für wichtig, grundlegend noch einmal über Öffnungszeiten nachzudenken – zum Beispiel eine einheitliche Öffnung am Samstagnachmittag bis 15 oder 16 Uhr. Aber sowas bringt eben nur dann etwas, wenn alle mitmachen.

Eines ist doch klar, wir müssen dann öffnen, wenn die Gäste es wollen. Die Gäste brauchen den Handel und andersherum.

Verkaufsoffene Sonntage stehen generell immer wieder in der Kritik. Wirtschaft und Kirche streiten sich über Sinn und Charakter des siebten Wochentags. Was halten Sie von der These, man solle es in Bad Bevensen mit den Sonntagsöffnungen nicht übertreiben, weil der Frieden zwischen den Parteien sonst gefährdet werden könnte?

Ich denke, man sollte einfach immer fair miteinander umgehen. In Bad Bevensen ist es ein gutes Miteinander. Die verkaufsoffenen Sonntage sind wichtig für Bevensen. Viele Geschäfte könnten ohne den Sonntag und die Gäste, die dann hier einkaufen, sicher nicht mehr überleben. Das muss man ganz klar so sehen. Bad Bevensen lebt vom Tourismus.

Natürlich muss sich aber auch der Handel an Regeln halten. Es muss nicht sein, dass Geschäfte am Sonntag um zehn Uhr öffnen. Warum? Und auf christliche Feiertage sollte man Rücksicht nehmen. Ich würde es persönlich nicht gut finden, wenn die Geschäfte an solchen Feiertagen aufmachen würden, sage ich ganz ehrlich.

Es muss immer alles in das Umfeld passen – dann haben alle etwas davon. Und die Kirche wird es auch freuen, wenn Arbeitsplätze durch die Sonntagsöffnung erhalten bleiben. Und es sind nicht wenige Menschen, die sonntags ohnehin arbeiten.

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