Stadt erhebt Einwände gegen A-39-Planung / Mehrheitsgruppe beantragt neue Resolution

Hakt’s bei der Verkehrsprognose?

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Vor allem in Röbbel und Groß Hesebeck – hier bei einer Aktion im Jahr 2014 – war und ist die Kritik am Verlauf der A 39 groß. Beide Bevenser Ortsteile sollen nach den Plänen durch einen hohen Autobahndamm voneinander getrennt werden.

Bad Bevensen. Auf 31 prall gefüllte Ordner verteilt lagen die Planungsunterlagen für den zweiten Abschnitt der A 39 in den vergangenen Wochen aus.

Wer sich von dem Streckenabschnitt zwischen Lüneburg und Bad Bevensen betroffen sieht, konnte seine Einwände bis zum vergangenen Donnerstag vorbringen.

Die Stadt Bad Bevensen hat genau dies getan: Die von ihr beauftragte Rechtsanwältin Roda Verheyen hat eine umfangreiche Stellungnahme verfasst, die der Verwaltungsausschuss der Stadt jetzt beschlossen hat. Unter anderem kommt die Juristin zu dem Schluss, dass die den Planungen zugrunde liegende Verkehrsprognose für das Planfeststellungsverfahren nicht geeignet ist.

Bad Bevensens Bürgermeister Martin Feller erklärt das im AZ-Gespräch damit, dass zum Beispiel die im Zusammenhang mit der A 39 geplante Querverbindung zur Bundesstraße 4 – nämlich die B 190n – im Bundesverkehrswegeplan lediglich noch im weiteren Bedarf mit Planungsrecht vorgesehen ist. Die A 39 selbst hingegen ist im vordringlichen Bedarf eingestuft. Und die Autobahnplaner gingen von Daten aus, in denen die B 191n noch enthalten gewesen sei, so Feller.

Und noch einen Pferdefuß gibt es aus Sicht der Bevenser: Während die den Planungen zugrunde liegende Verkehrsuntersuchung von einer Anschlussstelle an der Landesstraße 252 (bei Groß Hesebeck/Röbbel) ausgeht, tauchte diese im Planfeststellungsverfahren plötzlich – wie berichtet – an der Landesstraße 253 bei Römstedt auf. Auch aus diesem Grund müsse eine neue Verkehrsuntersuchung erfolgen, fordern die Bevenser.

Im Hinblick auf das besonders schützenswerte FFH-Gebiet Röbbelbach seien ebenfalls nicht alle bedeutsamen Aspekte berücksichtigt. Die Untersuchung entspreche unter anderem nicht dem Stand der Technik, heißt es.

Insgesamt lehnt der Verwaltungsausschuss der Stadt Bad Bevensen in der beschlossenen Stellungnahme die A 39 in ihrer linienbestimmten Form ab. Vor allem, weil die Belange Bad Bevensens als Kurort nicht ausreichend berücksichtigt worden seien. Aus Sicht der Stadt und der Juristin ist insgesamt die Variante 4, die zwischen Masbrock und Weste verlaufen würde, mit einem optimierten Anschluss an die L 252 mindestens gleichwertig zur Variante 1 (zwischen Groß Hesebeck und Röbbel) zu betrachten.

Die Mehrheitsgruppe von Grünen, WBB und FDP im Stadtrat will aber noch einen Schritt weitergehen: Sie hat beantragt, die Stadt möge eine neue Resolution beschließen. Und diese zielt auf eine grundsätzliche Verkehrswende ab. Als Argumente werden unter anderem der Klimaschutz, Transportvermeidung, überdimensionierte Infrastruktur und die Möglichkeiten innovativer Mobilitätskonzepte angeführt.

„Der Bau der A 39 wird nicht zu den gewünschten Entlastungen für die Ortschaften an der B 4 führen, wie die Zahlen der Verkehrsuntersuchung belegen“, heißt es in dem Antrag. Außerdem sei Bad Bevensen neben der Autobahn auch vom Schienenbauprojekt Alpha E betroffen. „Im schlimmsten Fall wird es mitten in Bevensen eine Baustelle für das dritte Gleis geben, mit dem zahlreichen Abriss von Bebauung sowie im Osten bei Groß Hesebeck die Großbaustelle der A 39“, schreibt die Gruppenvorsitzende Katja Schaefer-Andrae weiter in dem Antrag.

Die Position der Politik müsste daher nach Auffassung von Grünen, WBB und FDP wie folgt lauten: „Der Rat der Stadt Bad Bevensen fordert die Verkehrswende jetzt.“

Von Ines Bräutigam

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