Krach um die Kurkapelle: Musiker dürfen nächste Saison nicht mehr spielen

Gute Musik, schlechter Stil?

Treten nächstes Jahr nicht mehr im Kurhaus auf: Das Trio der Bad Bevenser Kurkapelle. Foto: Privat

Bad Bevensen. Marek Chudzik ist sauer. Seit 20 Jahren tritt der Kapellmeister mit der Kurkapelle „Concerto“ in Bad Bevensen auf.

Doch dieser Sommer wird sein letzter in der Kurstadt sein, denn das Engagement wird nicht verlängert – aus finanziellen und konzeptionellen Gründen, wie Hans-Jürgen Kammer, Aufsichtsratsvorsitzender der Bad Bevensen Marketing GmbH (BBM) auf AZ-Nachfrage erklärt.

Aufwand und Ertrag hielten sich schlicht nicht mehr die Waage: „Die Ansprüche und das Reiseverhalten der Kurgäste haben sich geändert. Wir wollen darum unser Konzept umstellen.“ Erste Veränderungen, die Veranstaltungsmanager Gerhard Kreutz in den vergangenen drei Jahren in der Kurstadt umgesetzt hat, wären ein „großer Erfolg“, an den die BBM weiter anknüpfen möchte. Der dreiköpfigen Kurkapelle hingegen, die von Mai bis Oktober sechs Tage in der Woche jeweils zweimal täglich im Kurzentrum auftritt und zusätzlich alle ein bis zwei Wochen ein Abendkonzert gibt, würden die Zuhörer weglaufen. Kammer: „Die Kapelle kostet mit Gage und Unterbringung jedes Jahr 100 000 Euro. Das können wir dem Steuerzahler auf Dauer nicht zumuten. Und wir dürfen es auch nicht: Die Stadt soll laut Zukunftsvertrag im Bereich der BBM jedes Jahr 150 000 Euro einsparen.“

Dafür, dass die BBM die Finanzen im Auge behalten muss, hat der Kapellmeister, wie er sagt, Verständnis. Ihm missfällt vor allem der Stil, mit dem ihm begegnet worden sei. Denn statt klarer Worte hätte er vor allem Hinhalten geerntet.

Bereits im vergangenen Jahr habe Marek Chudzik BBM-Geschäftsführer Uwe Winter auf sein Engagement angesprochen: „Er sagte, ich bleibe bis zur Rente hier, keine Angst.“ Auch bei einem möglichen Kurhaus-Neubau oder einer Sanierung sollte es keine Probleme geben: „Er sagte, wir bauen dann für drei Jahre einen Pavillon im Kurpark, wo die Kurkapelle für die Gäste spielen kann“, schildert der Kapellenleiter. Zukunftssorgen müsste sich der Leiter nicht machen, Chudzik sagte für die Kurstadt sogar andere Angebote ab. Als er gemeinsam mit seinen Musikern dieses Jahr zum Saisonbeginn, am 30. April, nach Bad Bevensen kam, seien die Wohnungen bereits zum 31. Oktober, also zum Saisonende, gekündigt worden. Auf Nachfrage erhielt er die Antwort, es würde künftig „billigere und bessere Wohnungen“ für die Kapelle geben. Nach zahlreichen Gesprächsversuchen mit der BBM, bei denen Chudzik unverrichteter Dinge weggeschickt worden sei, erhielt er am 15. August – einen Tag nach der Sitzung des BBM-Aufsichtsrates – von der Vorzimmerdame von Hans-Jürgen Kammer die Auskunft, dass sein Engagement nicht verlängert würde. „So sieht das Dankeschön für 20 Jahre in Bad Bevensen aus“, zieht der Musiker sein bitteres Fazit. „Vor allem tut es mir leid, dass ich die Gäste belügen musste, die mich gefragt haben, ob wir nächstes Jahr wieder da sind. Dafür möchte ich mich bei den Gästen entschuldigen.“

BBM-Aufsichtsratsvorsitzender Hans-Jürgen Kammer sieht das Verfahren weniger emotional: „Menschlich verstehe ich das, aber er ist nicht im Mitarbeiter- oder Beamtenverhältnis bei uns angestellt. Er bietet eine Dienstleistung an und wir entscheiden, ob wir uns diese leisten wollen. Andere Orte wechseln ihre Musiker auch – das ist Standard“, erklärt er. Den Vorwurf des „schlechten Stils“ weißt Kammer zurück: „Wir haben vor der Sitzung sehr deutlich über die Kurkapelle gesprochen und ich habe ihm auch die Gründe für unsere Entscheidung genannt. Wenn Herr Chudzik dann unangemeldet zu mir in das Büro kommt, muss er damit rechnen, dass ich nicht da bin. Er wollte wissen, woran er ist, hatte aber keinen Termin gemacht.“

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