Mehr Ärzte für die Kurstadt

Günter Steffen wünscht sich eine bessere Versorgung für Bad Bevensen

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Mediziner im Gespräch mit einer Patientin. Der Bevenser Günter Steffen setzt sich für noch mehr Fachärzte in Bad Bevensen ein.

Bad Bevensen – Gesundheitsstandort Bevensen, so wird die Kurstadt vermarktet. Zwei große Kliniken haben hier ihren Standort. Ältere Menschen ziehen an die Ilmenau, weil sie das Angebot für Senioren schätzen.

So geht es auch Günter Steffen, der mit seiner Frau erst im vorigen Jahr eine Wohnung in einem neuen Haus bezogen hat, nachdem das Paar die Stadt durch viele Aufenthalte lieben gelernt hat. Doch ältere Menschen brauchen auch Ärzte, und da sieht Steffen deutliche Lücken.

Günter Steffen, Pensionär

„Was ältere Menschen brauchen, ist ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt, ein Hautarzt, ein Urologe“, sagt der 79-Jährige, der sich mit seiner Beschwerde an die Kassenärztliche Vereinigung in Hannover gewandt hat. Einen HNO-Arzt in Bevensen gebe es, doch der nehme keine Patienten mehr auf. Bleibt die Fahrt nach Uelzen. Steffen fährt noch mit dem eigenen Auto, aber er sieht auch die Probleme anderer. Mit Bahn und Bus nach Uelzen fahren oder gar ein Taxi rufen: „Das sind zusätzliche Kosten für Ältere“, kritisiert Steffen. Hausärzte und Zahnärzte seien dagegen überrepräsentiert.

Von einer Unterversorgung könne keine Rede sein, betont Dr. Uwe Köster, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). „In allen Bereichen HNO, Haut und Urologie ist der Landkreis sogar überversorgt“, rechnet er vor, denn die Zuweisung der Fachärzte wird auf Landkreisebene organisiert. „Ein Facharzt kann seinen Sitz frei wählen“, so Köster. Häufig sei das in der Kreisstadt der Fall.

Für die HNO-Ärzte stellt die KVN eine Versorgungsquote von 117 Prozent fest. Bei den Urologen sind es 116 Prozent, bei den Hautärzten sogar 125. Ab 115 Prozent wird der Planbezirk für neue Ärzte gesperrt. Den Berechnungen zugrunde liegt die Bedarfsplanungsrichtlinie, ein Bundesgesetz. Demnach soll etwa auf 31 768 Einwohner ein HNO-Arzt kommen. Im Landkreis sind es dreieinhalb. Der Versorgungsgrad bei den Hausärzten beträgt 106 Prozent, in Bevensen-Ebstorf sind es stolze 135 Prozent.

„Wir sehen nirgends eine dramatische Unterversorgung, die zum Handeln zwingt“, fasst Köster zusammen. Zudem gebe es in Bad Bevensen Kardiologen (Herzspezialisten), Angiologen (Gefäßspezialisten), Gynäkologen (Frauenärzte) und Gastroenterologen (Fachärzte für innere Medizin). „Damit haben wir wesentliche Facharztgruppen vor Ort vertreten. Und so weit ist Bevensen von Uelzen nicht entfernt.“

Dass Patienten wegen Überfüllung einer Praxis abgewiesen werden, sei nach einem Urteil des Bundessozialgerichts zulässig, betont Köster. „Es geht, aber es sollte nicht sein.“

Grundsätzlich lässt das Gesetz Ausnahmen von den Versorgungsregeln zu. In besonderen Fällen kann eine Kommune eine Sonderbedarfszulassung für zusätzliche Ärzte beantragen. „Dann muss der Rat anhand der Zuzugszahlen nachweisen, dass ein besonderer Facharztbedarf besteht“, stellt Köster klar.

Bürgermeister Martin Feller unterstützt Steffens Forderung. „Wir haben viele ältere Leute, die Schwierigkeiten haben, sich zum Arzt zu bewegen“, weiß der Grünen-Politiker. Zudem gebe es lange Wartezeiten. Von einer Überversorgung könne jedenfalls nicht die Rede sein. „Und ich glaube, dass Bad Bevensen ein guter Standort für Ärzte ist.“

VON GERHARD STERNITZKE

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