„MS reißt Löcher in den Alltag“

Groß Hesebeck: Seit 35 Jahren treffen sich Betroffene in der Multiplen-Sklerose-Gruppe

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Rund 30 Personen, Betroffene, Angehörige und Herren des Vereins „Round Table“ trafen sich in Groß Hesebeck. 

Groß Hesebeck – Allmählich füllt sich der kleine Saal im Gasthaus Schmidt in Groß Hesebeck. Einige werden hineingeschoben, andere kommen behutsamen Schritts, wieder andere im forschen Gang und die jungen Herren flott dynamisch.

Sie alle folgen der Einladung zu einer ganz besonderen Jubiläumsfeier, dem 35-jährigen Bestehen der Multiplen-Sklerose Gruppe Bad Bevensen-Uelzen.

Susanne Rother, Leiterin MS-Gruppe

„Einem Zeitabschnitt, der für die Dauer einer Generation steht“, sagt die Leiterin der Gruppe, Susanne Rother. „Damals, 1984, gründete Waltraud Schulz zusammen mit anderen die Kontaktgruppe, um Betroffenen und auch deren Angehörigen einen geschützten Raum zu bieten, um sich mit der MS-Diagnose in allen Lebensbereichen auseinanderzusetzen.“ Seit 30 Jahren ist auch Gabriele Glatzhoefer dabei, die ehrenamtlich als Betroffenenberaterin und Kassenwartin aktiv ist. Auch Susanne Rothe aus Wieren ist eine Betroffene und musste sich mit der Krankheit auseinandersetzen. Mit ihrer positiven Ausstrahlung sprüht sie geradezu vor Energie. „Multiple Sklerose, was heißt das eigentlich?“, wirft sie in den Raum. Die rund 30 Personen, Betroffene, Angehörige und Herren des unterstützenden Vereins „Round Table“ wissen es. „MS wird auch die Krankheit mit den 1000 Gesichtern genannt“, klärt Susanne Rothe auf. „MS reißt Löcher in den Alltag. Es ist eine unberechenbare Erkrankung, deren Geheimnisse noch nicht alle aufgeklärt sind.“

Es wird zusammengefasst, was alles in der Gruppe, die sich monatlich trifft, so läuft. Ausflüge, Grillen, gemeinsames Frühstücken und mehr. 21 MS-Betroffene aus dem gesamten Landkreis gehören ihr an. Die Jüngste ist gerade mal 25 Jahre alt, die Älteste 88 Jahre.

Mit dabei sind stets Herren vom Round Table und das bereits seit 1988. „Wir unterstützen nicht nur finanziell“, erklärt der amtierende Präsident des Round Table Uelzen, Dr. Simon Augustin. „Wir packen mit an, leisten Hilfestellung, wenn es nötig wird, pflegen Gemeinschaft.“

Die MS-Gruppe freut sich darüber. Sie ist Mitglied in der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft. „Die DMSG ist das Fundament und direkt am Menschen. So hat MS eine Stimme in diesem Land bekommen, was so bleiben möge“, sagt Susanne Rother. Über den Verband ist ihnen auch Waltraut Heus zur Seite gestellt. Die Diplom-Sozialpädagogin ist Beratungsstellenleiterin, unterstützt, begleitet, hilft, wo es nur geht.

Man kennt einander, plaudert, genießt dem Abend. Einige werden noch geehrt. Gute Stimmung ist spürbar und große Verbundenheit. Man weiß um Sorgen, Probleme im Alltag des Gegenübers.

Susanne Rothes Fazit: „Wir sind eine lebendige Gruppe – Mitleid ist unter uns ein Fremdwort.“ Mitgefühl sicherlich nicht.

VON UTE BAUTSCH-LUDOLFS

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