Die Bevenser Gilde verwahrt Fahnen und Tafelsilber im Kloster Medingen – eine „historische Symbiose“

Gildeschätze im Kloster-Tresor

Die Kinderkönigskette von 1860 ist in der Vitrine verwahrt.

Bad Bevensen-Medingen. Das Kloster Medingen ist ein Ort, an dem Traditionen bewahrt werden – die der Klostergemeinschaft und, was kaum einer weiß, auch die der Bevenser Gilde.

Denn hinter den dicken Mauern des historischen Gebäudes ruhen Tafelsilber und Fahnen der Kompanien und warten auf ihren großen Auftritt zum Schützenfest.

„Das hat auch einen praktischen Aspekt“, weiß Konventualin Marie-Luise Labusch. Die Schätze der Gildemitglieder umfassten zum Teil wertvolle Pokale. „Da kommt schon einiges zusammen, was hier gut aufgehoben ist“, erzählt sie, während sie die schwere, zehn Zentimeter breite Panzertür öffnet.

Peter Klatte vor der Fahne der Schützenkompanie. Die habe auch einen „emotionalen Wert“ für die Kompanie, sagt er.

„Hier betreten Sie das wertvollste, was das Haus birgt“, verkündet sie und betritt den fensterlosen Tresor-Raum im Herzen des Klosters. Neben dem goldenen Äbtissinenstab und der Figur des Heiligen Mauritius – den Klosterheiligtümern – reihen sich in gläsernen Vitrinen imposante Königsketten, Pokale, Orden und Bestecke. Die, sagt die Klosterdame, seien hier in guten Händen. Neben dem Aspekt der sicheren Verwahrung beruhe diese „historische Symbiose“ aber auch auf einer gemeinsamen Geschichte – und die führt zurück ins Jahr 1336. Damals wurde das Zisterzienser-Kloster nach unruhigen Jahren in Bohndorf an seinen heutigen Standort in Medingen verlegt. Ausschlaggebend dafür sei auch die Nähe zur Bürgerwehr, der heutigen Gilde, gewesen, vermutet Konventualin Marie-Luise Labusch. „Das war sicherlich ein Aspekt, der die damaligen Zistazienserinnen beruhigt hat.“

Jahrhundertelang war die Bevenser Bürgerwehr also Schutzmacht des Klosters. Darauf sind die Klosterbewohnerinnen zwar heute nicht mehr angewiesen, eine Verbindung besteht aber nach wie vor. Jedes Jahr, kurz vor Beginn des Schützenfestes, besucht eine Abordnung der Gilde das Kloster, um in einer feierlichen Zeremonie ihre Königs- und die Kompaniefahnen abzuholen. Die bunten Gewänder schmücken über das Jahr die Flure des Klosters und ziehen, das beobachtet Marie-Luise Labusch, immer wieder neugierige Blicke auf sich.

Tragen darf die wertvollen Fahnen immer der jüngste Unteroffizier der jeweiligen Kompanien – bei den Bevenser Schützen war das in diesem Jahr Peter Klatte. In offizieller Garderobe marschieren er und die anderen Gildevertreter über den schmalen Weg in Richtung Kloster. „Jeder Fahnenträger ist natürlich stolz, diese Fahne zu präsentieren“, verrät er kurz vor seinem Einsatz. Die habe schließlich auch einen „emotionalen“ Wert für die Kompanie.

Übrigens: Die Schützenfahne aus dem Jahr 1912 ist eine Stiftung des Kloster Medingen – als Dank für das gute Verhältnis zwischen dem Kloster und den Bevenser Bürgern.

Von Anna Petersen

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