Zoff nach Kurhaus-Wettbewerb: Stadt Bad Bevensen wehrt sich gegen offenen Architekten-Brief

„Es gibt keine dubiosen Netzwerke“

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Bad Bevensen. Zwar stand es nicht auf der Tagesordnung, dennoch war das Thema Kurhaus-Neubau und die damit zusammenhängende Diskussion über den Architekten-Wettbewerb das wohl bedeutendste in der Sitzung des Bad Bevenser Stadtrates am Donnerstagabend.

Wie berichtet, hatte nicht nur der Preisträger des Wettbewerbs, Architekt Dirk Lüderwaldt aus Köln, in einem offenen Brief das Wettbewerbsverfahren beanstandet, nachdem statt seines Entwurfs nun doch der des Hannoveraner Büros Storch, Ehlers & Partner – der mit einer Anerkennung ausgezeichnet worden war - bevorzugt wird. Auch ein weiterer Wettbewerbsteilnehmer, die Architekten Bez + Kock aus Stuttgart, die mit einem dritten Preis ausgezeichnet worden waren, haben die Stadt nun rechtsanwaltlich gerügt. Obendrein haben sie bei der Vergabekammer des Wirtschaftsministeriums einen Nachprüfungsantrag gestellt.

Bad Bevensens Bauamtsleiter Roland Klewwe nahm in der öffentlichen Ratssitzung ausführlich Stellung zu der Problematik. Er stellte fest, dass der offene Brief der Kölner Architekten zur Verunsachlichung beigetragen habe und die Stadt Bad Bevensen sich zivil- und strafrechtliche Schritte vorbehalte. So sei das Schreiben streckenweise „polemisch“ formuliert und enthalte „Unterstellungen“ der Stadt gegenüber.

Architekt Dirk Lüderwaldt, der zwischenzeitlich noch eine Ergänzung zu seinem ersten offenen Brief versendet hatte, hatte behauptet: „Von Anbeginn an wurde nach der Wettbewerbsentscheidung von interessierten und offensichtlich einflussreichen Kreisen unser Wettbewerbsentwurf in Misskredit gebracht.“ Außerdem prognostizierte er für die Zukunft der Kurstadt finstere Aussichten: „Die Kuranlagen werden sich weiter einem gefräßigen Monster gleich in den Park hineinfressen, von Zeit zu Zeit durch eine weitere bauliche Ergänzung, abhängig von der gerade herrschenden Mode mal mehr mal weniger schrill aufgehübscht.“ Fürs Kurhaus verbreitete er in seinem offenen Brief diese Perspektive: „Nach wie vor bleibt das Durchschleusen von Busladungen durch von chlorhaltiger Luft geschwängerter Läden und Saftbars, um am Ende einige Nippeskäufe zu tätigen (...).“

Roland Klewwe fand den emotionalen Ton des Briefes zwar „verständlich, aber nicht akzeptabel“. Vor allem den Vorwurf der Kölner, das Büro Storch, Ehlers & Partner sei nun als Alternative ausgewählt worden, weil zwei der Architekten aus Bad Bevensen bzw. der Region stammen, wies der Bauamtsleiter deutlich von sich: „Diese Verschwörungstheorie hat keinerlei Grundlage.“ Lüderwaldt würde nur „Emotionen schüren“, kritisierte Klewwe und betonte: „Es gibt keine dubiosen Beziehungen oder Netzwerke.“

Von Ines Bräutigam

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