Erzeugergemeinschaft erprobt in Bevensen Folien / Umsatz soll verdoppelt werden

Getreidelager bei Ökokorn-Nord in Bad Bevensen am Limit

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Mit einer neuen Maschine wird das Getreide wie eine Wurst in einen Folienschlauch gepresst.

Bad Bevensen – Der Staub ist überall. Er legt sich auf das Blech der Förderschächte und Rohre, aufs Hemd und die Haare. Die Getreideernte ist größtenteils abgeschlossen. Täglich liefern jetzt Traktoren und Lastzüge Roggen, Hafer und Dinkel von Biobetrieben an.

Im großen Silo der Erzeugergemeinschaft Ökokorn-Nord in Bad Bevensen laufen Förderbänder, Schälanlage und Gebläse im Dauerbetrieb. Der Bio-Sektor wächst, und das Unternehmen mit Sitz in Betzendorf im Landkreis Lüneburg sucht nach neuen Möglichkeiten, Getreide einzulagern.

Rainer Bechtloff, Leiter Betriebsstätten bei Ökokorn Nord, im Dachgeschoss des Bevenser Speichers. Mit den Rohren werden die Silowaben befüllt. 

Mit einem alten Fahrstuhl geht es ins achte Stockwerk. Da, wo der Blick weit ins Land schweift. Rainer Bechtloff, Leiter Betriebsstätten, öffnet einen eisernen Deckel, schwindelerregende 25 Meter über dem Boden der Silowabe. Die alte Betonkonstruktion aus den dreißiger Jahren ist ideal für die Lagerung des Getreides, sagt der gelernte Landwirt. „So ein Beton ist, wenn man ihn einmal heruntergekühlt hat, wie ein Kühlschrank.“ Die Belüftung sorgt dafür, dass die Körner nicht zu schimmeln beginnen. Fast 5.000 Tonnen Hafer und Dinkel nimmt allein das weithin sichtbare Silo auf. Weitere Lager unterhält das Unternehmen am Firmensitz Betzendorf, im Uelzener Hafen und in Magdeburg.

„Wir sind die letzten Jahre immer am Limit gefahren“, sagt Bechtloff. Der Grund ist eine neue Welle von Landwirten, die auf ökologische Landwirtschaft umstellen. In den ersten Jahren darf ihre Ernte nur als Futtergetreide verwendet werden. Untergebracht werden muss es auch. Und hierbei kommt eine neue, eigentlich simple Technologie zum Einsatz. Das Getreide wird auf dem Betriebsgelände in weißen Schläuchen eingelagert.

Stapler mit Getreide auf dem Betriebsgelände.

Auf dem Hof liegt ein Berg Hafer. Mit dem Stapler füllt Mitarbeiter Stefan Stolzenberger eine Schaufel nach der anderen in einen großen Trichter. Jedesmal, wenn die Körner hineinrutschen, entsteht eine Staubwolke. „Haferstaub juckt nicht. Hafer beißt“, kommentiert Bechtloff. Eine Schnecke presst die Menge in den Schlauch, wie eine Wurst.

Seit dem vergangenen Jahr experimentiert Ökokorn Nord mit den lebensmittelechten Folienschläuchen, um neue, flexible Lagermöglichkeiten zu erschließen. „Man muss sich rantasten, wie das Einlagern, die Technik funktioniert“, sagt Bechtloff. Nur die letzten 300 Kilo Getreide müssen von Hand geschaufelt werden.

Die Erfahrungen sind gut. „Die Körner leben noch“, erklärt er. „Dabei verbrauchen sie den Sauerstoff im Schlauch.“ Damit werden Fäulnis- und Zersetzungsprozesse unterbunden. Probleme mit Vögeln, die die Folie beschädigen, oder Mäusen gab es bislang kaum. „Aber man muss Kontrolle laufen“, betont der 56-Jährige. Löcher können verklebt werden. Die Folie kann anschließend recycelt werden.

Insgesamt 14.000 Tonnen Getreide hat Ökokorn Nord im vorigen Jahr vermarktet. In den nächsten zwei Jahren hofft die Erzeugergemeinschaft, den Umsatz zu verdoppeln.

VON GERHARD STERNITZKE

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