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100 Jahre Gasthaus Wilhelms in Hohenbünstorf: Bauern kämpften für ihren Krug

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Birgit und Heinrich Wilhelms an der Zapfanlage.
Wirte in dritter Generation: Birgit und Heinrich Wilhelms haben den Wandel von der Dorfkneipe zur Eventgastronomie miterlebt. 1922 wurde das Gasthaus Wilhelms in Hohenbünstorf eröffnet. © Sternitzke, Gerhard

Es ist still an diesem Tag im Gasthaus Wilhelms. Heinrich Wilhelms baut die Tische auf, rückt Stühle zurecht. Tischdecken liegen bereit. Tage, bevor die nächste Hochzeitsgesellschaft kommt, sind Wilhelms und seine Frau Birgit mit den Vorbereitungen beschäftigt. Die Tische werden eingedeckt, Lebensmittel im Großmarkt eingekauft. Wilhelms ist Wirt und Bauer in dritter Generation. Vor 100 Jahren wurde das Gasthaus gegründet.

Hohenbünstorf – Der 64-Jährige legt ein altes Album auf den abgewetzten Tisch in der alten Gaststube. „In früheren Zeiten wurde hier Skat gedroschen und Politik gemacht“, erzählt Wilhelms. Das Gasthaus war Dorftreffpunkt. „Bist du klug, gehst du in den Krug“, zitiert er einen Spruch. „Hier wurden Neuigkeiten ausgetauscht und Dorfpolitik gemacht.“ Bestellt wurde in der Regel „Lütt un Lütt“, Korn und Bier. Auch das einzige Telefon des Dorfs hing in der Gaststube.

Geschäftsleute geben einen aus und hoffen, einen Trecker zu verkaufen

Eine alte Postkarte zeigt das massiv gemauerte Haus aus dem Jahr 1911. Ein stolzer Fahrradbesitzer hat sich mit Jungen aus dem Dorf aufgestellt. Im Dorf gschab es einen Sparverein, einen Fahrradverein und die Schweinekasse. Einer der Höhepunkte war der Schweinekassenball. „Oft haben Geschäftsleute den einen oder anderen Schluck ausgegeben – in der Hoffnung, noch einen Trecker zu verkaufen“, erzählt Wilhelms. „Der schmiss dann die eine oder andere Runde und freute sich, wenn er einen Trecker verkaufte.“

Amt will Konzession verweigern

Bürokratie ist keine Erfindung des 21. Jahrhunderts. Wilhelms Großvater Heinrich, der im Dorf einen bereits im Jahr 1835 gegründeten Kolonialwarenladen betrieb, brauchte Durchhaltevermögen, als er 1922 ein zweites Standbein aufbauen wollte. Damals stand die Schließung des Gasthauses Brodermann an. Das Amt stand auf dem Standpunkt, dass eine Gaststätte nicht notwendig sei. Der Landjäger erhielt Order, vor Ort Erkundigungen einzuziehen. Schließlich verfassten die Bauern eine Eingabe. Weil es keinen Krug mehr gebe, könnten keine Versammlungen durchgeführt sowie keine mittellosen Personen und Geschäftsleute beherbergt werden. Noch schlimmer aber: Die Knechte und Mädge gingen zu den Gastwirtschaften in Natendorf und Barum und kehrten häufig nicht rechtzeitig zum Füttern des Viehs zurück. Schließlich erhielt der Wirt die ersehnte Konzession, aber mit der Auflage, keine Tanzveranstaltungen durchzuführen.

Die Konzession hält Wilhelms in Ehren, an das Tanzverbot fühlten sich aber schon seine Vorfahren nicht gebunden. Im Lauf der Jahre ist das Gasthaus immer weiter gewachsen. Als die Bundeswehr in den sechziger Jahren den Stützpunkt auf dem Eschenberg eröffnete, baute sein Vater Heinrich Wilhelms eine Baracke aus dem Uelzener Bohldammlager auf, in dem ein paar Jahre Manöverbälle gefeiert wurden. 1983 entstand der heutige Festsaal.

Wandel von der Dorfkneipe zum Bankettgeschäft

„Ich wollte eigentlich gar nicht einsteigen“, sagt Wilhelms, der damals bereits eine kaufmännische Lehre absolviert hatte. 1979 kam er dann zum Aushelfen – und übernahm 1988 doch. Damals hatte bereits ein Wandel begonnen: „Es hat sich verlagert von der Kneipe, wo die Bauern ihr Feierabendbier getrunken haben, zum Bankettgeschäft mit Hochzeiten, Familienfeiern und Vereinen“, erklärt Wilhelms. Aber auch seine Nachfolge ist unsicher. Die zwei Töchter helfen zwar aus, wollen aber nicht einsteigen.

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