Joachim Rehse aus Klein Bünstorf, Vorsitzender des Landesschafzuchtverbands, fordert eine Prämie

Gesellschaft soll für Schafe zahlen

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Schafe sind die Leidenschaft von Joachim Rehse. Aber Geld mit der Haltung der Wiederkäuer zu verdienen, ist schwierig.

Klein Bünstorf. Die erste Schwalbe ist da. Geschmeidig saust sie durch den Stall, während Joachim Rehse die blökenden Schafe füttert. Die Schwarzkopf- und Merinoschafe stürzen sich auf das Futter. Der Weideaustrieb hat sich verzögert.

Die Wiesen an der Ilmenau bei Klein Bünstorf stehen weithin unter Wasser. Ein malerisches Bild, aber die dörfliche Idylle trügt.

Die Zahl der Schafhalter in Niedersachsen ging nach Informationen der Tierseuchenkasse in zehn Jahren um 20 Prozent auf 11 360 im Jahr 2016 zurück. Bei den Schafen beträgt der Rückgang 17 Prozent (auf 233 680 Tiere). Rehse fordert deshalb als Vorsitzender des Landesschafzuchtverbandes Prämien für Mutterschafe.

Das große Schiebtor zum Stall ist übersät mit Plaketten. Rehse ist Züchter. Vor zwei Jahren hat er für einen seiner Böcke den Staatsehrenpreis erhalten (AZ berichtete). Nur ungern lässt sich der Bursche am Strick führen, aber Rehse packt ihn mit sicherem Griff. Zum Einsatz kommt aber auch ein Ultraschallgerät, mit dem der 56-Jährige Muskeldicke und Fett misst. „Wir wollen ja viel Fleisch und wenig Fett“, erklärt der gelernte Landwirt.

Rehse ist gerade von der Arbeit gekommen. Er ist Nebenerwerbs-Schafhalter – wie die meisten der 750 Mitglieder im Landesschafzuchtverband. 2,85 Euro bekommt Rehse pro Kilo Lebendgewicht, so viel wie vor 25 Jahren. Lammfleisch aus Neuseeland ist günstiger. Bei der Wolle zahlt Rehse sogar drauf. 80 Cent gibt es für den Pelz eines Schwarzkopfschafs, der Scherer nimmt zwei Euro. Dafür machen 170 Mutterschafe und 180 Lämmer viel Arbeit. In der Lammzeit ist Rehse bis in die Nacht im Stall.

Seit 2010 müssen Schafhalter ihre Tiere mit elektronischen Ohrmarken versehen und ein Bestandsregister führen. Vielen Hobbyhaltern ist der Aufwand zu groß. Landwirte, die nebenbei ein paar Schafe halten, müssen sogar mit scharfen Sanktionen rechnen, wenn einzelne Tiere die Ohrmarken verlieren, berichtet Rehse. „Die Bürokratie ist irrsinnig.“

Und dann der Wolf. Bei Rehse hat er noch nicht zugeschlagen, aber er ist immer im Kopf des Züchters. Eine abgelegene Weidefläche nutzt er deshalb nicht mehr. Die Gefahr ist zu groß. Das Land zahlt 85 Prozent Beihilfe zur Errichtung sogenannter wolfssicherer Zäune. „Die Arbeit und die Folgekosten bleiben auf dem Hof“, moniert Rehse.

Ohne die sichere Einzäunung gibt es kein Geld für gerissene Tiere.

Um den Rückgang der Schafhaltung zu stoppen und die Vielfalt der 38 im Landesschafzuchtverband gehaltenen Rassen zu erhalten, fordert Rehse eine Neuauflage der 2004 abgeschafften Mutterschafprämie.

„Die Schafe erbringen eine Leistung für die Gesellschaft“, ist Rehse überzeugt. „Schafe befestigen Deiche, erhalten Naturschutzgebiete und sorgen für eine Vielfalt an Pflanzen und Tieren.“

Von Gerhard Sternitzke

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