Christoph Hamar ist Deutschlands „bester Schüler in der Alten- und Krankenpflege 2013“

Geduldig sein und Gutes tun

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Was steht als nächstes auf dem Plan? Christoph Hamar lernt beim Lüneburger Institut für Weiterbildung in der Kranken- und Altenpflege und der Seniorenresidenz Dahlke in Bad Bevensen den Beruf des Altenpflegers.

Bad Bevensen. „Und pflegen kann ja sowieso jeder. “ Ironie und Ärger über das, was ihm die Politik bisweilen vermittle, liegen in Christoph Hamars Stimme.

Denn er weiß es besser: Vor zweieinhalb Jahren hat er in der Seniorenresidenz Dahlke in Bad Bevensen die Ausbildung zum Altenpfleger begonnen. Erst kürzlich wurde der 30-Jährige in einem bundesweiten Wettbewerb vom „Verein zur Förderung pflegerischer Qualität“ Deutschlands bester Schüler in der Kranken- und Altenpflege. Der Beruf des Altenpflegers, bedauert er, sei nicht der „angesehenste“, obwohl körperlich wie geistig höchst anspruchsvoll.

Zu den pflegerischen Aufgaben wie das Waschen und Anziehen kommen die Essensausgabe, das Heben der Patienten, die Gespräche, die Dokumentation, der Umgang mit Leid. „Ich glaube, man muss schon eine gefestigte Persönlichkeit haben“, meint Christoph Hamar, und außerdem: Empathie und viel Geduld. „Es ist wichtig, dass man mit Herz und Seele dabei ist, aber auf der anderen Seite eine Trennung schafft“ –eine Trennung zwischen Arbeit und Privatleben. Schwere Krankheitsverläufe, Leid und Tod, das dürfe man nicht mit nach Hause nehmen.

An dem Bundeswettbewerb „Bester Schüler in der Alten- und Krankenpflege 2013“ hatten sich über 18 000 Schüler beteiligt. Christoph Hamar setzte sich im Endausscheid gegen 22 Pflegeschüler durch. Dabei hat er ursprünglich einen ganz anderen Weg einschlagen wollen: Mit 28 Jahren hängte er sein Informatikstudium an den Nagel. Er war unzufrieden, etwas Neues musste her.

Schon mit 26 Jahren hatte der Lüneburger seinen an Alzheimer erkrankten Großvater gepflegt, ein Praktikum bestätigte ihn in seinem neuen Berufswunsch. Doch obwohl er diese Entscheidung nicht missen möchte, sagt Hamar ganz deutlich: Bis zur Rente will er den Beruf nicht ausüben. Er sei nicht sicher, ob er die Belastungen ewig so gut wegstecken könne, erklärt er.

Um auch in Zukunft genügend Fachkräfte in der Altenpflege gewinnen zu können, müsse weiter an der Qualität der Ausbildungsstandards gefeilt werden. Und: „Man muss den Beruf auch für Abiturienten interessant machen.“ Es brauche mehr Zeit für die Patienten, eine bessere Bezahlung, überhaupt mehr Geld für die Pflege.

In seinem Arbeitsalltag sei es vor allem die Demenz, die ihm begegne, berichtet Hamar und fügt an: „Das ist nicht das Süße: ,Ich habe vergessen, wo mein Portemonnaie liegt’, sondern: ,Ich vergesse, wer ich bin’.“ Und klar hat er schon einmal von einem Demenzdorf gehört, wie es für Bad Bevensen derzeit im Gespräch ist. Mit Projekten wie diesem möchte sich der Azubi künftig in einem berufsbegleitenden Studium der Innovativen Pflegepraxis beschäftigen. Konkret gehe es dabei um die Umsetzung theoretischen Wissens in die Praxis und die Frage: „Wie erfasse ich bei den Menschen, ob es ihnen gut oder schlecht geht?“ Denn das, weiß er, sei oft gar nicht so einfach. Unabhängig vom Krankheitsbild gelte es, sich auf unterschiedliche Menschen einzustellen und geduldig zu sein. „Das ist für mich das A und O.“

Christoph Hamar hat Spaß an dem Beruf des Altenpflegers, auch, wenn er mit dem Studium einen anderen Weg einschlagen wird: „Man hat das Gefühl, etwas wirklich Gutes getan zu haben.“

Von Anna Petersen

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