Der Siebenstern-Leuchter steht beim Frühgottesdienst am ersten Weihnachtstag im Mittelpunkt

Ein ganz besonderer Kirchgang in Bad Bevensen

Eva Ludolfs vor dem geschnitzten Siebensternleuchter ihres Urgroßvaters Karl Bautsch, der diesen 1931 verliehen bekam. Der Siebenstern-Frühgottesdienst ist immer noch ein ganz besonderer Kirchgang.
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Eva Ludolfs vor dem geschnitzten Siebensternleuchter ihres Urgroßvaters Karl Bautsch, der diesen 1931 verliehen bekam. Der Siebenstern-Frühgottesdienst ist immer noch ein ganz besonderer Kirchgang.

Bad Bevensen. Das Jahr 1842: Damals entstand das Weihnachtslied „Der Christbaum ist der schönste Baum“. Damals, also vor genau 175 Jahren wurde im damaligen Bevensen auch der erste Siebenstern-Gottesdienst morgens um 6 Uhr früh in der Dreikönigskirche gefeiert.

Es war der damalige Hilfspastor Ludwig Herbst, der darum bat und den Gemeindegliedern riet, ihren Hausleuchter mitzubringen, „da sich Schwierigkeiten im Kirchenvorstand wegen der Bewilligung der Beleuchtungskosten ergaben“ schrieb der Heimatforscher Fritz Bohmann 1928 in seinem Buch zur Geschichte von Bevensen und dem Kloster Medingen.

Der Siebenstern als Hausleuchter hier ist uralt. Viel älter als der Weihnachtsbaum. Ursprünglich war der Siebenstern ein gedrechselter Leuchter, bei dem um eine Mittelstange drei Querhölzer mit Zwischenräumen übereinander aufgesteckt worden sind. Die Querstangen sind drehbar, an ihren Seiten sitzen Kerzen und eine weitere an der Spitze. Nach altem Vorbild ist er 38 Zentimeter hoch, besteht aus weißem Naturholz mit Wachsfarbstrichen. Bereits in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts kamen neue Trends mit verschiedenen Größen, Ausführungen, Farben und Polituren auf den Markt.

Der originale Siebensterngottesdienst ist am 1. Weihnachtstag, früh. Zwei Weihnachtsbäume sind aufgestellt, auf dem Altar steht das dreiteilige Weihnachtstransparent mit der Bethlehem Szene.

In früheren Jahren „mussten“ jeweils drei Konfirmanden aus der Landgemeinde von der Orgelempore aus die Weihnachtsgeschichte auswendig aufsagen. Im Laufe der Zeit hat es sich etwas verändert, aber noch immer sind es junge Leute, die die drei bedeutenden Teile aus dem Lukas -Evangelium vortragen.

Schon seit über 70 Jahren singt der Kinderchor der Dreikönigskirche morgens früh Weihnachtslieder, darunter auch das hier entstandene Lied „O du Glanz der goldnen Kerzen“ (Melodie: Herbert Sehm, Text: Carl-Friedrich Bautsch). Noch vor gut 30 Jahren war dieser Siebenstern-Frühgottesdienst besonderer Anziehungspunkt. Oft genug waren die ersten Besucher schon eine Stunde vorher da, um auf alle Fälle noch einen Banksitzplatz zu ergattern. Sogar auf den Treppenstufen standen die Menschen. Und auch heute erfreut sich die Feier Jahr für Jahr großen Andrangs.

Von Ute Bautsch-Ludolfs

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