Nach der plötzlichen „Kieferneck“-Schließung: Stornierte Urlauber kommen in anderen Hotels unter

„Gäste haben das gut weggesteckt“

+
Das Vier-Sterne-Hotel „Kieferneck“ wurde am 29. März von jetzt auf gleich geschlossen. Rund 20 Mitarbeiter verloren ihre Jobs. 

Bad Bevensen. Der erste Schreck ist erst einmal verdaut: Nach der überraschend kurzfristigen Schließung des Vier-Sterne-Hotels „Kieferneck“ in Bad Bevensen zu Ostern (AZ berichtete), sind die Gäste, deren Buchungen kurzerhand vom Hotel storniert worden waren, in anderen Häusern der Kurstadt untergekommen.

„Es kamen einige Anfragen nach Alternativen“, sagt Christine Lohmann von der Bad Bevenser Tourist-Info im Kurhaus auf AZ-Anfrage. Die meisten Gäste hätten sich aber offensichtlich direkt an andere Hotels gewandt.

Im „Ascona“ zum Beispiel hätten über Ostern einige Urlauber angerufen, die eigentlich im „Kieferneck“ absteigen wollten, sagt „Ascona“-Chef Martin von Eynern. Die Stimmung sei bei manchen natürlich geknickt gewesen. „Das sind ja viele Stammgäste, die teilweise seit Jahrzehnten ins ‘Kieferneck’ gefahren sind“, weiß von Eynern. Die Verteilung dieser Gäste habe aber aus seiner Sicht gut geklappt. Allein für den Ort, für die Innenstadt, sei die Schließung des „Kieferneck“ schlimm. „Das ist ein Haus weniger, das Marketing macht – auch für die Stadt.“

Im Hotel „Sonnenhügel“ habe es auch einige „Kieferneck“-Gäste auf der Suche nach einer Alternativunterkunft gegeben, heißt es auf AZ-Nachfrage. „Die waren aber alle erstaunlich entspannt“, sagt eine Mitarbeiterin. Das plötzliche Aus des Traditionshauses sei definitiv ein Gesprächsthema, bestätigt sie. Ein ambivalentes allerdings: So negativ die Schließung des „Kieferneck“ auch sei – für die verbleibenden Hotels könne es eine Chance sein, um neue Stammgäste zu gewinnen.

Das sieht auch Michael Schwarz vom „Parkhotel“ so. Wie die Laune in der Hotelszene derzeit sei? „Gemischt“, sagt er im AZ-Gespräch. Schwarz ist nicht nur Hotelier in Bad Bevensen, sondern auch Vorsitzender im Kreisverband des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga). Die Schließung des „Kieferneck“ sei für alle sehr überraschend gekommen. Nicht zuletzt auch deswegen, weil viele Hotels, vor allem die größeren, sich gar nicht mehr in die Gemeinschaft einbrächten. Geschweige denn, dass sie im Dehoga Mitglied wären.

Für Schwarz liegt da der Hase im Pfeffer: Wenn Hotels, wie auch das „Kieferneck“, von einer Gesellschaft betrieben würden, fehle oftmals der Bezug zum Ort. Dass nun das vierte und damit auch das letzte der Häuser geschlossen wurde, die dem aserbaidschanischen Investor Elman Allahverdiyev gehören, bedauert Michael Schwarz sehr. „Das ist ungünstig, denn die Häuser stehen leer. Und Bad Bevensen ist damit weniger präsent auf dem Markt.“ Allerdings könne er jeden Kollegen verstehen, der damals an den Investor verkauft habe. Denn Nachfolgeregelungen und Auflagen – wie zum Beispiel beim Brandschutz – seien für Hoteliers oft große und kostenintensive Probleme. Auf Allahverdiyev bezogen sagt der Dehoga-Kreisverbandsvorsitzende daher: „Der Mann hat sich das alles einfacher vorgestellt...“

Edgar Korth, Inhaber des Hotels „Fortuna“, hat über Ostern gleich acht Gäste aufgenommen, die eigentlich im „Kieferneck“ gebucht hatten. „Da gab es auch welche, die vor dem Hotel standen und auf einem Zettel gelesen haben, dass ihr Hotel geschlossen ist.“ Beschwerden gab es aber keine. Korth fing die Enttäuschung auf, indem er den Urlaubern ganz frisch renovierte, neue Zimmer überließ. „Die Gäste haben das gut weggesteckt“, ist er froh. Auch im Sinne des gesamten Ortes. Wundern muss er sich nur über einige Aussagen der verhinderten „Kieferneck“-Urlauber, die bei ihm auf der Matte standen. So sei Einem als Begründung für die Stornierung erzählt worden, das Hotel sei überbucht gewesen.

Direkt am Hotel findet sich derweil an der gläsernen Eingangstür folgender Hinweis des Eigentümers: „Das Hotel ist vorübergehend wegen Renovierungsarbeiten geschlossen“. Auf der Internetseite des Hauses klingt das endgültiger: Man bedankt sich bei den Gästen „für Ihr Vertrauen in der Vergangenheit“ und man würde sich freuen, „wenn Sie trotzdem den Weg nach Bad Bevensen finden“. Die Internet-Suchmaschine Google vermeldet, dass das „Kieferneck“ nunmehr „dauerhaft geschlossen“ sei.

Wie berichtet, waren die rund 20 Mitarbeiter des Hauses am 27. März über dessen Schließung informiert worden. Zwei Tage später wurden die Lichter im „Kieferneck“ kurzerhand ausgeknipst. Weder Eigentümer noch Geschäftsführung sind für nähere Details erreichbar.

Von Ines Bräutigam

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare